Zeitung Heute : Feind unterm Bett

fahndet nach guten Nachrichten in der Medizin Heute: Was tun gegen Kinderängste?

Hartmut Wewetzer

Im Schlafzimmer meiner Eltern gab es diesen großen dunklen Schrank. In ihm hausten Gespenster und, ich sage es nicht gern, Menschenfresser. Jedenfalls so lange, wie ich klein war. Die Gefahr lauerte auch unter meinem Bett. Die Tür musste deshalb immer einen Spalt auf sein. Das Licht vom Flur hielt die Unholde in Schach.

Kinderjahre sind magische Jahre. Im Guten wie im Bösen. In der Welt der Vierjährigen existieren die Monster, die Ungeheuer, die Oger tatsächlich. Es ist die Zeit, in der es ganz normal ist, an Geister zu glauben und sich vor ihnen zu fürchten. Oder vor schlimmen Träumen. Ja, vielleicht durchlebt man in dieser Lebensphase sogar eine Schule der Angst. Man lernt, mit seiner Furcht umzugehen und die Gespenster zu besiegen. Hoffentlich. Eine Kindheit, in der man sich fast nur vor eingebildeten Gefahren schützen muss, ist jedenfalls nicht die schlechteste.

Für ein Kind ist die Furcht nur zu gut begründet. Es ist klein, und alles in seiner Welt ist groß. Es besitzt keine Macht, und es ist in der Hand von anderen (gut, manche Eltern haben da vielleicht eine andere Meinung). Ein Kind versteht noch nicht, wie die Welt funktioniert. Und es ist egozentrisch; alles, was passiert, geschieht wegen ihm und kann es bedrohen.

Ist es da ein Wunder, wenn es sich gruselt?

Der Bostoner Kinderarzt Steven Parker hat einige Tipps parat, wie Eltern ihren Kindern beim Lösen des Monsterproblems helfen können:

– Auch Eltern haben magische Kräfte. Also sollte man sie auch einsetzen. Zum Beispiel seinem Kind eine „Anti-Monster-Taschenlampe“ geben, mit der es sich die Schrecken der Nacht fern halten kann. Oder die gefährlichen Orte untersuchen: „Ich habe überall nachgesehen, auch im Schrank – es sind keine Gespenster mehr da! Vorhin habe ich Monsterspray versprüht, das wirkt garantiert.“

– Man sollte sich in Kinder einfühlen, ihre Furcht ernst nehmen und sich nicht lustig machen. Denn Geister gibt’s zwar nicht, aber die Angst vor ihnen umso mehr. Man sollte ihnen Mut machen, sie beruhigen.

– Versuchen Sie’s mit Videotherapie: Man kann sich zum Beispiel zusammen mit seinem Kind die „Monster-AG“ anschauen. In diesem Film geht es schließlich nicht um die alltäglichen Nöte der Kinder, sondern der Kinderschrecks. Oder wie wäre es mit Buchtherapie – etwa mit dem „Kleinen Gespenst“ von Otfried Preußler? Als Kind fand ich immer das „ Märchen von einem, der auszog das Fürchen zu lernen“ der Brüder Grimm ungeheuer beruhigend. „Ach, wenn mir’s nur gruselte!“, sagte der Held. Das war unglaublich. Und half – Märchentherapie.

– Manchen Kindern erleichtert auch leise Musik oder eine offene Kinderzimmertür das Einschlafen. Oder ein Kuscheltier oder eine Puppe.

– Es kann auch helfen, zusammen mit dem Kind ein Bild zu malen, auf dem die gefährlichen Situationen dargestellt werden, und darüber zu sprechen.

Dann haben die Monster keine Chance mehr.

Unser Kolumnist leitet das Wissenschaftsressort des Tagesspiegels. Haben Sie eine Frage zu seiner guten Nachricht?

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