Zeitung Heute : Fenster zum Internet und Schlüssel zur Kasse

JUSTUS DEMMER

Große amerikanische Internet-Firmen wie Yahoo! oder Netscape nutzen die Computermesse "Systems" in München, um ihr gestiegenes Interesse am deutschen Online-Markt zu demonstrieren.Sie wollen ihre Seiten im Internet zur Startrampe für möglichst viele "Surfer" im Cyberspace machen.Solche Startseiten, sogenannte Portale, gelten in den USA als ein erfolgversprechendes Mittel, um Geld im Internet zu verdienen.

"Ein Portal ist die Seite, die kommt, wenn Sie ihren Browser starten", erklärt Claudia Amling von Yahoo!-Deutschland.Wer sich diesen Platz auf den PC-Bildschirmen sichert, kann Werbekunden regelmäßige Besucher auf seiner Internet-Seite versprechen.Zudem werden die elektronischen Querverweise, die Links, die von der Startseite weiter ins Internet führen, besonders häufig genutzt - ebenfalls eine Einnahmequelle.

In den USA haben die Rolle der Startseite immer stärker die großen Suchmaschinen und Web-Katalogen wie Excite oder Yahoo! übernommen.Dazu kommen die Seiten der Browser-Hersteller Microsoft und Netscape, auf die die Software automatisch schaltet, wenn ihre Einstellungen nicht geändert werden.Vor allem Netscape versucht, aus dieser Tatsache Kapital zu schlagen - nicht zuletzt angesichts der drastisch gesunkenen Einnahmen aus dem Browser-Geschäft."Netcenter" heißt das Portal der Firma aus Kalifornien, die in München den deutschen Ableger vorstellte ( home.netscape.com/de )."Wir wollen eine Heimat für die Internet-Sufer sein, ein Platz, wo sie sich wohlfühlen und auf Markennamen treffen, denen sie vertrauen", sagt Linda Lawrence, Vizepräsidentin von Netscape.Deshalb gibt es auf der Site nicht nur Netscape-Software und -Informationen, sondern beispielsweise auch den Zugriff auf diverse Suchmaschinen (darunter auch den deutschen Katalog web.de ), einen Weg zu T-Online und nach verschiedenen Kategorien geordnete Links.

Wer sich am amerikanischen "Netcenter" anmeldet, kann zudem erweiterte Funktionen seines (Netscape)-Browsers nutzen, E-Mails schreiben und hat die Möglichkeit, das Erscheinungsbild des "Centers" seinen eigenen Bedürfnissen anzupassen.In den USA hat Netscape über die Site im vergangenen Jahren laut Lawrence 104 Millionen Dollar (168 Millionen DM) eingenommen, in Deutschland soll binnen des kommenden Jahres Geld in die Kassen fließen.

Etwas mehr Zeit läßt sich Microsoft mit seinem Online-Portal ( www.msn.de )."Wir sind noch einige Zeit in der Investitionsphase", sagt der Direktor von MSN Deutschland, Michael-A.Konitzer.Er erklärt sich den wachsenden Erfolg der Portal-Idee vor allem mit dem technischen Fortschritt: "Die Technologie für einen web-basierten Online-Dienst, als den wir unser Angebot verstehen, stand bislang noch nicht zur Verfügung.Auch eine Funktion wie die Personalisierung ist so erst mit der neusten Server-Technologie möglich", sagt er.

Wie die meisten Portale aus den USA bietet auch MSN keine eigenen Inhalte an, sondern verweist lediglich zu anderen Informations-, Kommunikations- oder Unterhaltungsquellen.Ob dieses Modell zum Exportieren geeignet ist, ist, bleibt noch abzuwarten: In Deutschland bieten die erfolgreichsten Seiten bislang durchweg auch eigenes Material an: "Hier ist man zwar einige Jahre später ins Internet-Geschäft eingestiegen, dafür ist es sofort von professionellen Anbietern als professionelles Medium genutzt worden.Bei uns findet man den Inhalt wirklich, nicht nur einen Link dorthin", sagt Markus Moranz, der technische Direkor bei Focus-Online.

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