Zeitung Heute : Fernweh nach Europa Wie es wohl künftig rund um Deutschland aussieht? Der Phantasie

STEPHANIE AMBROSIUS[DIESTERWEG-GYMNASIU],16 JAHRE[DIESTERWEG-GYMNASIU]

Die Zukunft Europas? Anfangs fiel mir zu diesem Thema nur wenig ein, da ich selbst kaum weiß, was ich in der Zukunft konkret erreichen will, außer eine Arbeit zu haben, mich versorgen zu können und somit ein vielleicht ausgeglichenes Leben zu führen. Wer will das nicht? Momentan konzentriere ich mich hauptsächlich auf die Schule. Und nun soll ich mir Gedanken um die Zukunft Europas machen? Mit der europäischen Politik kenne ich mich teilweise aus, kann aber nicht wissen, wie Politiker und ähnliche Machthaber Europas Zukunft gestalten wollen. Dennoch will ich einige meiner Vorstellungen beschreiben.

Ein Anfang ist geschaffen worden, um Europa eine Einheit werden zu lassen: der Euro. Durch ihn wird zwar ein europäischer Binnenmarkt entstehen, doch ist er keine Grundlage, die verschiedenen europäischen Völker zusammenzuführen. Dafür muß auf allen Seiten der Wille existieren, miteinander zu leben und sich zu verstehen.

Doch wie soll ich zum Beispiel einem Spanier helfen, seine Lebenssituation zu verbessern, wenn ich nicht seine Sprache und seine kulturellen Hintergründe verstehe? Wie soll ich auf ihn zugehen, ohne zu wissen, ob er mir seine Lebensumstände erklären und mich seinem Land näherbringen kann?

Bei der Völkerverständigung gibt es etliche Hürden: Sprache, Religion, Geschichte und Kultur. Ein Deutscher wird keinesfalls die Ansichten eines Franzosen vertreten. Jedes Land hat individuelle Ideen und Ziele. Sprachschwierigkeiten kann man beheben. Aber in die Religion und die Kultur muß man sich einarbeiten, damit man die Geschichte und die Gegenwart kennenlernt. Wenn man sich mit diesen Konflikten auseinandersetzt und bereit ist, unterschiedliche Vorstellungen zu verarbeiten, wird eine europäische Einheit vielleicht gelingen.

Rücksicht muß dennoch auf die wirtschaftliche Entwicklung einzelner Länder genommen werden. Sozial starke Länder müssen sozial schwachen Ländern unter die Arme greifen und ihnen erreichbare Ziele vor Augen führen. Die Bevölkerung muß den Glauben entwickeln, vorankommen zu können.

Zusammenführungen europäischer Länder beginnen schon im Schulalter, etwa durch Austauschprojekte. Durch sie werden Grundlagen in bezug auf die internationale Verständigung gelegt. Die Jugend wird immer die Generation bleiben, die Träume, Kraft und Ansporn hat, diese zu verwirklichen. Im Studienalter gibt es ebenfalls Möglichkeiten, sich in eine internationale Ausbildung einzubringen. Aussichten auf neue Arbeitsplätze müssen sich keinesfalls nur in Deutschland ergeben - obwohl es in Europa zu den mächtigsten Ländern gehört. Berufe geben zusätzliche Möglichkeiten, Europa zusammenzuführen und seinen europäischen Mitmenschen das eigene Heimatland schmackhaft zu machen. Der Phantasie sind da keinerlei Grenzen gesetzt.

Leider kann ein Mittelstandsmensch wie ich, der auch noch jugendlich ist, nur unwesentlich zu einer europäischen Zukunft beitragen. Immer noch liegt die Hauptverantwortung in den Händen der Politiker und nicht in denen der "kleinen Leute". Es bringt bestimmt nichts, revolutionäre Bewegungen in Gang zu bringen, die letztlich ausufern und nicht den gewünschten Erfolg bringen. Keinesfalls soll man die Hoffnung aufgeben, schließlich geschehen oft noch Wunder.

Also, wozu in die Ferne schweifen, wie zum Beispiel nach Amerika, und hoffen, dort sein "großes" Glück zu finden - wenn man zuallererst daran denken sollte, sein Heimatland und Nachbarländer zusammenzuführen.

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