FESTIVALClub Transmediale : Taxi-Funk und Discoglück

Jörg W,er

Auch in ihrer zehnten Auflage ist die Transmediale eine prima Gelegenheit, die eigene Theoriefestigkeit in Sachen elektronischer und experimenteller Musik zu checken. Diesmal geht’s unter dem Leitwort „Structures“ um „Situation und Chancen der Mikro- und Netzwerkstrukturen unabhängiger Musik- und Medienkulturen“. Hm. Oder man überlässt die Theorie den Experten und stürzt sich in das fantastische „Club Transmediale“-Programm. Schon der Eröffnungsabend verspricht mit Minimal-Techno-Altmeister Wolfgang Voigt, der Teile seines legendären Gas-Werkzyklus aufführt, eine unheimliche Klangbegegnung der dritten Art (Volksbühne, Do, 20 Uhr).

In den kommenden Nächten geht es in der Maria am Ostbahnhof zur Sache: zunächst mit „Funk Mundial“, wo das Kreativpotenzial über den Globus verstreuter Dancefloor-Erneuerer exemplarisch angedeutet wird. So ist die Geschichte des jungen Südafrikaners DJ Mujava (Foto), dessen sagenhaft ohrwurmiger „Township Funk“ nach kompletter Ignoranz der örtlichen Medien erst durch die massive Propaganda einheimischer Taxifahrer und ihrer rollenden Soundsystems zum Hit wurde, nicht nur bestes Mythenmaterial, sondern auch praktische Umsetzung des Festivalthemas (Fr, 22 Uhr). Tags darauf kommen mit Acts wie The Emperor Machine, Black Devil Disco Club und Prins Thomas aus allen Himmelsrichtungen – England, Frankreich, Norwegen – die Anbeter des dunklen Widerscheins der heiligen Diskokugel zu einer ihrer bizarren Messen zusammen (Sa, 23 Uhr). Jörg Wunder

Verschiedene Ort, Do 22.1. bis Sa 31.1., Programm u. www.clubtransmediale.de, Tageskarte 12-20 €, Festivalpass 65 €

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