Zeitung Heute : Feuerpause in Nahost - für drei Stunden

Palästinenser werden mit Hilfsgütern versorgt / Hoffnung auf Waffenruhe zwischen Israel und Hamas

BerlinErstmals seit Beginn der Militäroffensive im Gazastreifen am 27. Dezember hat Israel die Angriffe am Mittwoch für drei Stunden unterbrochen. Israel erklärte sich angesichts wachsenden internationalen Drucks zu diesem Schritt bereit, der die Versorgung der notleidenden Bevölkerung in dem Palästinensergebiet mit Hilfsgütern ermöglichen sollte. Ein Militärsprecher sagte, die Feuerpause habe um 13 Uhr Ortszeit (12 Uhr MEZ) begonnen. Auch die radikal-islamische Hamas hielt die Feuerpause, die alle zwei Tage wiederholt werden soll, ein und feuerte in dieser Zeit keine Raketen mehr auf israelisches Gebiet. Nach den drei Stunden flammten die Gefechte wieder auf. Dabei kamen nach palästinensischen Angaben mindestens neun Menschen ums Leben. Die Hamas feuerte mindestens drei Raketen auf Südisrael ab.

Hoffnung auf eine dauerhafte Waffenruhe macht der Plan, den Ägyptens Präsident Hosni Mubarak am Dienstagabend mit seinem französischen Kollegen Nicolas Sarkozy vorgestellt hatte. Zwar dementierten sowohl Israel als auch die Hamas eine Erklärung Sarkozys, sie hätten den Vorschlag bereits angenommen. In Jerusalem sagte Regierungssprecher Mark Regev allerdings, Israel könne den Vorschlag akzeptieren, wenn er dazu führe, dass die Raketenangriffe der Hamas auf Israel eingestellt würden. Der Plan sieht eine befristete Waffenruhe vor, der Gespräche über eine Lösung des Konflikts folgen sollen. Außerdem soll die Versorgung der Bevölkerung des abgeriegelten Autonomiegebiets ermöglicht werden.

Die im Gazastreifen regierende Hamas erklärte, sie unterstütze eine Vereinbarung, wenn auch die Öffnung der Grenzübergänge vorgesehen sei. Mubarak hatte keine Details des Plans genannt. Aus Diplomatenkreisen verlautete aber, unter anderem solle eine internationale Truppe den Waffenschmuggel über Tunnel aus Ägypten unterbinden. In Ankara hieß es, die Türkei könnte die Aufgabe erhalten, eine Truppe zusammenzustellen. Nach Angaben aus iraelischen Regierungskreisen bestehe die Herausforderung noch darin, die Grundsätze in konkrete politische Schritte umzuwandeln. Am Donnerstag soll Amos Gilad, der hochrangige Militärvertreter und Berater des israelischen Verteidigungsministers Ehud Barak, nach Kairo reisen, um den Plan zu besprechen.

Die Bundesregierung signalisierte Bereitschaft, sich an der Absicherung einer Waffenruhe zu beteiligen. Deutschland stehe zu seiner Verantwortung, wenn nach internationaler Abstimmung "bestimmte Maßnahmen" anstünden, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm. Voraussetzung seien ein Ende der Angriffe der Hamas auf Israel sowie die Zustimmung beider Seiten. Zu Details eines möglichen deutschen Engagements äußerte Wilhelm sich nicht. Spekulationen gab es auch über eine Vermittlungsmission einer "islamischen Troika", die aus Indonesien, der Türkei und dem Iran bestehen könnte. Der iranische Parlamentspräsident Ali Laridschani sollte am Abend in Syrien Hamas-Politbürochef Chalid Meschaal treffen.

Unterdessen stimmte das israelische Sicherheitskabinett einer Ausdehnung der Offensive im Gazastreifen zu, überließ aber die endgültige Entscheidung darüber Verteidigungsminister Barak, wie ein hochrangiger Mitarbeiter des Ministeriums mitteilte. Das Sicherheitskabinett habe einer Fortsetzung der Bodenoffensive und der Einleitung einer "dritten Phase" zugestimmt, in der die Kämpfe durch einen weiteren Vorstoß in bewohnte Gebiete ausgedehnt würden.

Die UN äußerten sich besorgt über die hohe Zahl von zivilen Todesopfern. Die Hälfte der bislang 680 Getöteten seien Frauen, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, sagte eine Sprecherin des UN-Büros zur Koordinierung humanitärer Hilfe in Jerusalem. Nach palästinensischen Angaben wurden mehr als 3000 Menschen verletzt.Tsp

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