Zeitung Heute : Fiat Doblò: Der Funktionale

Ingo von Dahlern

Doblò heißt er - der neueste Fiat, der seit dem Wochenende bei den Händlern steht. Kein Auto, dessen Design die Herzen höher schlagen lässt. Doch der nur 4,16 Meter lange und 1,81 Meter hohe Kasten mit seiner mit dem massigen robusten Kühlergrill etwas an Off-Roader erinnernden Front hat es trotzdem in sich. Denn er bietet Platz im Überfluss für bis zu fünf Passagiere und ihr Gepäck, großzügige Kopffreiheit, überzeugende Fahrleistungen und eine respektable Komfort- und Sicherheitsausstattung zu einem vergleichsweise bescheidenen Preis. Ein verblüffend vielseitiges Auto für Familie und Freizeit, wie es in vergleichbarer Form bislang nur von den großen französischen Herstellern angeboten wird. Die haben mit den Schwestermodellen Peugeot Partner und Citroën Berlingo und dem Renault Kangoo seit Jahren zwei Trumpfkarten in der Hand, die ihnen bislang nicht streitig gemacht wurden. Nun endlich hat Fiat, mit dem Fiorino längst im Abseits, mit dem Doblò eine überzeugende Antwort auf diese französischen Erfolgsmodelle gefunden, denen damit erstmals ein ernst zu nehmender Konkurrent entgegentritt.

Oft schon haben wir in der Vergangenheit Gesprächspartner, die auf der Suche nach einem vielseitigen, variablen und wirtschaftlichen Familienauto waren, damit überrascht, dass wir sie an die kantigen Franzosen verwiesen, an die sie überhaupt nicht gedacht hatten. Und die meisten waren angenehm überrascht, als sie erste Bekannschaft mit diesen Autos machten und die verborgenen Qualitäten unter deren kantiger Karosserie entdeckten. Nicht minder freudig überrascht waren wir nun, als wir dieser Tage für wenige Stunden einen Doblò aus dem Ausstellungsraum holten, um ihn ein wenig durch und um Berlin zu bewegen.

Wir entschieden uns für die neben dem Doblò Cargo - einem flinken kompakten Transporter - angebotene Pkw-Version des neuesten Fiat mit ihren großen Glasflächen und waren als erstes begeistert von dem Platzangebot. So viel Raum und so viel Kopffreiheit bietet selbst der geräumigste Kombi nicht. Und wenn man in leicht erhöhter Position vor dem Armaturenbrett mit den übersichtlichen Rundinstrumenten und der pfiffigen Mittelkonsole mit dem darin integrierten Schalthebel sitzt, hat man eine optimale Sicht rundum und vor allem auf das Verkehrsgeschehen vor sich. Auf Anhieb gefallen hat uns die originelle Schalterzentrale für Fensterheber, heizbare Heckscheibe, Nebelscheinwerfer und Nebelschlussleuchte sowie den Warnblinker zwischen den beiden Belüftungsdüsen. Und gut positioniert sind auch die Drehschalter für Heizung und Lüftung sowie das auf der Mittelkonsole thronende Autoradio. Ansprechend auch die Farbwahl mit vielen blauen Elementen auf grauem Untergrund - kurzum, man fühlt sich wohl in dieser Umgebung, die rundum und auch oberhalb der großen Frontscheibe so viele Ablagen bietet, dass man geradezu die Qual der Wahl hat.

Nicht sichtbar ist das umfassende Sicherheitsangebot dieses Autos. Denn neben Airbags für Fahrer und Beifahrer und Seitenairbags gibt es Gurtstraffer vorn, höhenverstellbare Kopfstützen und Dreipunktgurte auf allen Plätzen und vom Herbst an sogar Fensterairbags. Und Serienausstattung bereits beim Basismodell SX sind Servolenkung und ein ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung für dieses Auto, das sich bei den ersten Probekilometern als ausreichend flott und vor allem sehr handlich erwies. Dabei waren wir nur mit der Basisversion SX mit dem 1,2-Liter-Benziner unterwegs, der aus seinen vier Zylindern 48 kW (65 PS) herausholt und ein höchstes Drehmoment von 102 Nm bei 3500/min liefert. Zugegeben, mit 18,9Sekunden für den Spurt auf Tempo 100 ist dieses Auto, das durchschnittlich 7,7 l/100 km verbraucht, kein Sprinter und mit 142 km/h auch nicht übermäßig schnell. Das gilt auch für den alternativ zum Benziner angebotenen 1,9-Liter-Vorkammer-Saugdiesel mit 46 kW (63 PS) und 118 Nm bei 2500/min, der Tempo 100 in 20,9 Sekunden und maximal 141km/h erreicht und 7,1 l/100 km verbraucht. Aber schon im Oktober wird es als weitere Motoren einen 76 kW (103 PS) leistenden 1,6-Lliter-Vierventil-Benziner und den modernen 1,9-Liter-Turbodiesel mit Common-Rail-Hochdruckeinspritzung, einer Leistung von 74 kW (100 PS) und einem höchsten Drehmoment von 196 Nm bei, mit 2250/min geben. Und dann kann der Doblò auch jenen gefallen, die gern ein wenig flotter unterwegs sein wollen.

Das ist man übrigens auch schon bei den schwächer motorisierten Varianten mit erfreulich hohem Fahrkomfort. Denn der kantige Doblò mit seiner Federbein-Vorderachse und der starren Hinterachse mit ihren längs angeordneten Blattfedern schluckt Straßenunebenheiten erfreulich gut und erlaubt auch flotte Kurvenfahrten, ohne den Lenker dabei vor große Probleme zu stellen. Und dank der Servolenkung erfordert auch das Ein- und Ausparken selbst in kleine Parklücken keine besonderen Kraftanstrengungen. Ein Auto also, das sich wie ein normaler Personenwagen bewegen lässt.

Vom dem allerdings unterscheidet ihn sein mehr als geräumiges variables Heck. Das gilt bereits für das großzügige Platzangebot auf den Fondsitzen. Das gilt allerdings noch mehr für den bereits im Normalzustand 700 Liter fassenden 99 Zentimeter langen und 1,20 bis 1,42 Meter breiten Laderaum. Wem das nicht reicht, kann das Ladeabteil dank der vorklappbaren und bei der ELX-Version auch asymmetrisch geteilten Rückbank erheblich erweitern. Denn maximal lassen sich im Doblò-Heck bei 1,68 Meter Laderaumlänge bis zu 3000 Liter unterbringen. Und angesichts einer Zuladung von 480 Kilo kann man dieses Volumen auch ordentlich nutzen.

Zugang zum Ladeabteil bietet die asymmetrisch geteilte zweiflügelige Hecktür beziehungsweise die weit nach oben öffnende Heckklappe, die beim Basismodell Wunsch- und beim ELX Serienausstattung ist. Zu den Fondsitzen übrigens gelangt man durch eine oder wahlweise auch zwei recht breite hintere Schiebetüren.

Mit dem großzügigen und variablem Platzangebot im hohen Heck ist der Doblò ein wahrer Lademeister, der auch mit sperrigem Sport- und Hobbygerät keine Probleme hat. Da das Reserverad platzsparend unterm Fahrzeugboden untergebracht ist, stört es nicht im Laderaum. Und wem der Platz dort trotzdem nicht reicht, der kann seinen Doblò auch mit einer Dachreling ausstatten. Praktisch ist zudem die als Wunschausstattung für den SX angebotene Leiterklappe. Rundum also eine Menge Auto, die mit Preisen, die bei 24000 DM beginnen, erfreulich preiswert angeboten wird. Und das nicht nur als Pkw, sondern auch als vielseitiger kleiner Transporter, der verglast oder als Kasten und wahlweise auch mit Hochdach bis zu 3,8 Kubikmeter Laderaum bei 610 Kilo Zuladung bietet und einen Arbeitsplatz mit Pkw-Komfort. Frage zum Schluss - wann wachen die deutschen Hersteller in dieser Klasse endlich auf?

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