FINANZDRAMA„Company Men“ : Downsize this!

von
Foto: Senator
Foto: Senator

2008 war Finanzkrise, seit 2010 kommen die Filme dazu ins Kino. Nach „Up in the Air“, Oliver Stones „Wall Street 2“ und dem Lehman-Brothers-Drama „Margin Call“ geht es nun weniger um die Täter als um die Opfer. Letzte Woche entdeckte Abteilungsleiter Tom Hanks alias „Larry Crowne“ im Arbeitslosendasein supercoole Lebensqualitäten, nun erwischt es in „Company Men“ die Managerriege. Bobby (Ben Affleck), Gene (Tommy Lee Jones) und Phil (Chris Cooper) verlieren ihre Jobs als Top-Executives eines global agierenden Schiffsbauunternehmens. Man nennt es Downsizing.

Der Porsche fahrende Golfspieler Bobby muss nach drei Monatsgehältern und erniedrigender Jobsuche inklusive Bewerbungs-Training („Ich werde siegen. Weil ich dran glaube, weil ich mutig und enthusiastisch bin“) der Wahrheit ins Gesicht sehen. Der Kredit für das schicke Haus im Bostoner Vorort kann nicht mehr abbezahlt werden, die Familie zieht zu den Schwiegereltern, die Ehefrau arbeitet wieder als Krankenschwester, und Bobby muss beim proletarischen Schwager (Kevin Costner) auf dem Bau jobben. Chronik eines Niedergangs: Die Stationen heißen Verdrängung, Scham, Wut, Fatalismus, Pragmatismus. Der in Seelennot ertrinkende Phil wirft hilflos Steine in Richtung Firmenfassade, und Tommy Lee Jones leiht sein zerknittertes Gesicht dem Konzernveteranen, einem hinter der harten Schale des Zynismus sich verbergenden SelfmadeMan mit dem Arbeitsethos der ganz alten Schule.

Debütregisseur und Autor John Wells hat als Produzent und Scriptschreiber von TV-Serien wie „Emergency Room“ und „West Wing“ Übung mit lebensnahen Dialogen und Realitätsschocks, Kameramann Roger Deakins („True Grit“) überzeichnet die stylischen Hypotheken-Häuser mit feiner Ironie. Für ein Starvehikel geht es deutlich (und ohne melodramatische Musiksauce) zur Sache, was den Überlebensegoismus und die Verzweiflung der Lage betrifft. Amerika, besinne dich auf deine Werte: Zwar mündet die Story in die Mär vom Stehaufmännchen, das die liebe Familie am Ende mehr zu schätzen weiß als den dicksten Bonus. Auch gelingt es Ben Affleck leider nicht, sein beschränktes mimisches Repertoire zu erweitern. Aber immerhin: Ein CEO, der zu den Schwiegereltern in den Keller zieht und da so schnell nicht mehr rauskommt, hatte in Hollywood bisher nichts zu suchen. Realodrama über Männer in der Finanzkrise. Christiane Peitz

USA 2010, 105 Min., R: John Wells, D: Ben

Affleck, Tommy Lee Jones, Chris Cooper, Kevin Costner, Rosemarie DeWitt

Autor

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben