Zeitung Heute : Fionas Fußballwelt

Seit der Fußball WM 2006 frage ich mich: Woher kommt bei den Frauen das plötzliche Interesse am Fußball? Diesem Phänomen muss „Frau“ mal auf den Grund gehen. Normalerweise stimmt das typische Klischee doch immer. Während „Mann“ unbedingt die Bundesligaspiele ansehen will, darf Frau auf gar keinen Fall die neue Folge von Desperate Housewives verpassen. Und doch gibt es einige unter ihnen, die plötzlich Desperate Housewives & Co auf Video aufnehmen, um lieber mit ihrem Schatzi Fußball gucken zu können. Aber wieso? Und woher kommt dieser Wandel? Ich denke immer noch daran, wie zu WM-Zeiten auf einmal alle Frauen mit ihren Männern auf die Straßen gingen und sich benahmen als seien sie weibliche Fußball-Rowdies. Alles nur, weil sie ihren Männern gefallen wollen. Oder haben sie wirkliches Interesse am Fußball? Ich denke, dass diese plötzliche Euphorie nicht nur dem Sport gilt, sondern dass Frauen vielmehr das Interesse am Fußball entdeckt haben, weil es hier nicht um eine einzige Mannschaft, sondern um den Zusammenhalt von ganz Deutschland geht. Und da gehören nun auch mal Frauen dazu. Viele Frauen werden wohl auch die Gunst der Stunde genutzt haben, um sich als fußballinteressierte Frau auf die Pirsch zu machen und sexy Männer aufzureißen. Aber ist das wirklich Realität? Und warum mögen Frauen auf einmal Fußball?

Ich persönlich muss sagen, dass ich wirklich eine leidenschaftliche Fußballerin bin und die Liebe zu diesem Sport auch schon sehr früh entdeckt habe. Damals war ich ungefähr zehn Jahre alt. Mittlerweile hatte ich alle Sportarten ausprobiert: Von Ballett bis Fechten, von Badminton bis hin zu Judo, aber alles hat mich nicht wirklich lang gehalten. Irgendwann fing ich dann mit meinen Freunden an, Fußball zu spielen. Und so entdeckte ich, dass es tierisch viel Spaß machen kann, an einem Sonntagmorgen aufs Feld zu gehen und den Rasen unter den Stollen zu spüren. Dieses Auspowern, Rennen und dennoch taktische Denken gefiel mir so gut, dass ich volle sechseinhalb Jahre Fußball spielte. Später wollte ich dann gerne noch mehr Mädchen für Fußball begeistern und trainierte eine Mädchenmannschaft. Selbst diese süßen, zierlich in pink gekleideten Mädchen, die nebenbei noch Ballett tanzten, hatten Spaß an diesem Sport. Tatsächlich heißt das für die Männerwelt: Sie müssen sich wohl oder übel daran gewöhnen, dass auch Frauen Fußball lieben, sehen und spielen. Fußball ist keine reine Männerdomäne mehr. Aber das haben sie wohl spätestens dann begriffen, als die Frauen Weltmeister wurden – nicht die Männer.

Um also zu einem Fazit zu kommen, fasse ich nun noch einmal zusammen, warum Frauen den Fußball so lieben gelernt haben. Abgesehen von der Euphorie des Zusammenhalts und des Dazugehörens denke ich, dass Frauen einfach gemerkt haben, dass auch ein Fußballspiel so spannend sein kann, wie das ewige Hin und Her zwischen Mr. Big und Carry aus Sex and the City. Und ein schickes Trikot und Stutzen genauso sexy sind wie Stilettos und Minirock. Auch die Männerjagd-Theorie beschränke ich auf eine Minderheit und behaupte einfach mal glatt, dass Frauen so gutmütig sind, dass sie - selbst wenn sie den Sport hassen - nur aus Liebe zu den Männern den Sport ertragen. Das ist gut so und kann auch ruhig so bleiben. Die Ära der – Entschuldigung, aber – lesbischen Kampfweiber, die Fußball spielen, ist vorbei. Frauen werden auch bei der EM in sexy Trikots mitfiebern, feiern und hoffentlich genauso dynamisch bei der Sache sein, wie die Männer. Und vielleicht schaffen es ja auch diesmal unsere Jungs. Für alle Frauen, die den Fußball immer noch nicht mögen und verstehen, gibt es ja noch die Möglichkeit, einfach nur am Bildschirm zuzuschauen und zu schmachten.

Fiona Erdmann, aufgezeichnet von Sophie Guggenberger

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