Zeitung Heute : Firma will Plattform für breites Immobilien-Angebot im Internet schaffen

Ralf Schönball

Will sich der Mann ins eigene Fleisch schneiden? Gottfried Kupsch, Makler für Gewerbe-Immobilien in Berlin, gründete eine Multi-Media-Firma und sagt: "Der Vermittlungs-Makler hat keine Zukunft mehr". Denn das Ziel von "Globe-Media" sei es, eine Internet-Plattform einzurichten, von der Mieter ein repräsentatives Angebot an Büro-Häusern entnehmen können. Bei Kupschs ketzerischem Angriff auf die eigene Branche liegt die Betonung allerdings auf der Vermittlung von Immobilien. Darin aber erschöpft sich die Aufgabe der Makler schon lange nicht mehr. Daher gräbt sich Kupsch nicht die eigene Grube, sondern die eines Teiles seiner Konkurrenz. Die Erfolgsaussichten? Ungewiss, denn im Web gibt es bereits Homepages mit der selben Zielsetzung: Mieter von Büros oder Wohnungen ohne Makler-Kontakt mit Vermietern zusammenzubringen.

"Bürovermietung per Internet wird sich schneller durchsetzen, als alle erwarten", sagt Gottfried Kupsch. Neben ihm sitzt sein Sohn Boris Kupsch. Er steht dem Unternehmen Globe Media vor. Und er hat mit einem halben Dutzend junger Kollegen das Projekt " www.office-guide.de " aus der Wiege gehoben. Das Konzept ist einfach: Eine übersichtliche, auf die wesentlichen Suchkriterien reduzierte Internet-Seite, der nach wenigen Mouse-Klicks eine Liste von Büro-Immobilien zu entnehmen ist. Eingeben muss der Suchende lediglich die gewünschte Lage und die Größe der begehrten Flächen.

Das Berliner Stadtgebiet ist in sechs Bereiche eingeteilt: City Ost und West sowie Berlin Nord-Ost, Nord-West, Süd-Ost und Süd-West. Wer "City Ost" auswählt, erhält eine Liste von Objekten mit kleinen Fotos. Diese kann der Suchende wiederum anklicken, um das Bild vergrößert auf seinem Computerschirm erscheinen zu lassen. Das ist die Minimalausstattung. Die Maximal-Ausstattung liefert eine Augenweide an konzentrierten Bild- und Text-Informationen über das Projekt. Der Höhepunkt: Eine Aufnahme der Immobilie mit einer 360-Grad-Kamera. Die US-Technik der Firma Ipix erlaubt nach Einspeisen der Daten auf den Server eine kleine Reise durch das Büro-Haus, als stehe der Betrachter wirklich im Gebäude. Beim Zoo-Bogen zum Beispiel. Das denkmalgeschützte Ensemble aus drei Bauten rahmt Breitscheidplatz und Gedächtniskirche ein und bietet heute Fernsehsendern und Medien-Firmen Räume. Zu vermieten sind noch Restflächen des Hochhauses gegenüber vom Bahnhof Zoo. Die beste Werbung für diesen Ort ist neben der Lage der Ausblick.

Deshalb bauten die Mannen von Globe-Media die "Panaroma-Kamera" auf dem Dach des Gebäudes auf. Was sie sahen, kann nun auch der Surfer per Mouse sehen und dabei beliebig in alle vier Himmelsrichtungen navigieren: zum Zoologischen Garten, zur Kantstraße oder zu den Bauten am und um den Breitscheidplatz. "Eine so aufwendige Präsentation kostet etwa 30 000 Mark," sagt Boris Kupsch. Dafür stellt er neben dem 360-Grad-Bild einen Grundriss der Bürofläche ins Netz und eine kleine Dia-Show mit Informationen zusammen, etwa über die Läden im Umfeld. Auf Wunsch richten die Web-Master einen Link auf die Internet-Seite des Stadt-Info-Verlags ein. Auf ihr findet der Surfer die genaue Lage mit Straßennetz und Bahnverbindungen.

Globe Media ist nicht die erste Unternehmung zur Vermarktung von Gewerbe-Immobilien. Berlin-Office.de von Invariant Immobilien und Consulting GmbH führt einige Immobilien in seiner Datenbank. Anders als die junge Konkurrenz ist die Begrüßungsseite von Berlin-Office mit zahlreichen Informationen belegt. Das erschwert die Orientierung. Der kürzeste Weg zu den Vermietungs-Angeboten führt über den Pfad "Zu vermieten" in der Navigationsleiste, wenn der Web-Besucher sie mit der Zusatzinformation "Lage" versieht. Im Bezirk Mitte bietet die Site ein Dutzend Bürohäuser und einen Eindruck der Mietpreis-Spanne: Zwischen 20 und 23 Mark pro Quadratmeter Nettokalt sind die Adressen "Am Spittelmarkt", "Alexanderplatz", "Neue Roßstraße" sowie "Wallstraße" monatlich zu haben. Eine renommierte Lage wie den Gendarmenmarkt gibt es ab 39 Mark; zwei Immobilien sind hier vezeichnet.

Enttäuschend ist die Auswahl käuflicher Gewerbe-Immobilien: nur eins. Da erscheint der Info-Text aus dem Service-Menü unfreiwillig komisch: "Der Berliner Immobilien-Markt bietet eine fast unüberschaubare Auswahl an Büroflächen in allen Lagen". Zum Schmunzeln regte auch der Versuch an, den Dienst "Wunschbüro" anzusteuern. Den entsprechenden Klick quittiert der Server mit dem Hinweis, er könne die Seite nicht aufbauen: "Die Web-Side könnte überlastet sein." Wegen der Schwierigkeit der Aufgabe - wer wünscht sich schon ein Büro?

Mit einem Info-Service baut sich auch die Seite des dritten Anbieters von Büros im Internet auf: der berlin-real-estate.com. Diesen Dienst bietet die 3-point-concepts Berlin an und meldet Informationen der Stiftung Warentest zur Baufinanzierung sowie den Verkauf von Immobilien durch die Telekom. Daneben prangen Banner mit den Überschriften "Member Account" sowie "Personal Account". Der zu kleine, schlecht lesbare Text darunter erklärt, es handle sich um die Modi, wie Anzeigen aufzugeben, zu ändern oder zu speichern sind. In der Navigationsspalte links auf dem Schirm nimmt die Auswahl der Site-Sprachen viel Platz ein, ebensoviel und in der Darstellung ähnlich wie die weit wichtigeren Lagekriterien: "Berlin" oder "Umland". Hier muss man klicken, um mit der Suche beginnen zu können. Dann hat der Surfer die Wahl zwischen "Kaufen, Mieten, Infos, Inserieren". Wer Mieten anklickt, hat wiederum die Auswahl zwischen Wohnungen und Gewerbeflächen. Erst in einer weiteren Maske bieten sich Optionen für eine Detailsuche mit Kriterien wie Mikrostandort und Größe.

Auch in diesem Suchdienst für Gewerbe-Immobilien ist die Auswahl an Objekten zu klein: Im Bezirk Mitte weist die Website lediglich fünf Objekte nach. In der Friedrichstraße für 28 Mark, am Alexanderplatz für 22 oder 25 Mark und am Gendarmenmarkt für 49 Mark. Von einer repräsentativen Auswahl kann keine Rede sein. Kompensiert wird das durch eine Informationsflut über mehr oder minder nützliche Dienste: über die Preise von Hypothekenkrediten etwa, wobei ein Link zur Web-site des Info-Magazins "Focus" führt. Neugierde weckt das Rubrum "Innovative Methoden". Im Unterverzeichnis "Risikogemeinschaften" ist zu lesen, dass bei Projekten in der Größenordnung zwischen 50 und 100 Millionen Mark die Beteiligung von Banken an der Gesellschaft des Kreditnehmers eine abwägenswerte Option sei. Weniger Option denn Zwang war diese Strategie in den vergangenen Jahren: Als die Mietpreise während der Immobilienkrise purzelten und Bauträger die Zinsen für Kredite nicht mehr zahlen konnten, da gingen die Geldhäuser solche "Beteiligungen" ein - zwangsläufig.

"Auch Konzerne wie die Allianz bieten ihre Immobilien zur Miete im Internet an. Das Problem ist nur, sie zu finden", sagt Boris Kupsch. Das sei eine grundsätzliche Widrigkeit von Websites im Internet: Ohne begleitende Werbung in Funk, Fernsehen und Print-Medien sind die virtuellen Kaufhäuser, Nachrichtendienste - oder eben Immobilien-Dienste kaum aus der Flut der Angebote herauszufischen. Deshalb plant das Unternehmen Globe Media nun eine Kampagne, um ihr Projekt bekannt zu machen und unter Immobilien-Anbietern durchzusetzen. Dadurch wollen die Multi-Media-Kreativen Marktführer werden. Zudem sollen Gespräche mit den Makler-Vereinigungen stattfinden, um die professionellen Vermittler für die Sache zu gewinnen. Heiß diskutiert werde das Problem der "Courtage". Wenn ein repräsentatives Angebot an Immobilien frei zugänglich im Netz stünde, dann würde wohl kaum jemand mehr einen Makler für die Suche bezahlen wollen. Ob das der Branche schmackhaft zu machen ist?

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