Zeitung Heute : Fische zählen überfordert die Systeme

CAROLANN RIHA (AP)

Für die Lachse in Oregon gibt es kein Computerprogramm, beim Beobachten hilft KirchenmusikVON CAROLANN RIHA (AP)Seit Stunden sitzt Joanne Mohr in einer dunklen Kammer knapp unterhalb des Wasserspiegels am Bonneville-Damm in Oregon.Aus dem Radio kommt Kirchenmusik, die ihr die Zeit vertreiben hilft."Da kommt ein Schöner!" ruft die 64jährige und zeigt auf einen 1,20 Meter langen Pazifiklachs, der vor der Fensterscheibe von einer schwachen Leuchte angestrahlt wird und durch das trübe Wasser des Flusses Columbia gleitet.Sie drückt auf den Knopf ihres mechanischen Zählgeräts und hat damit einen weiteren Lachs registriert, der auf dem Weg zu seinen Laichgründen den Damm überwunden hat.Fischleiter wird die Stelle im Columbia-River genannt, an der alle Lachse vorbei müssen.Die hier gesammelten Daten sind eine wichtige Entscheidungshilfe für Naturschutz und Fischereiwirtschaft.Mohr ist Fischezählerin.Ihr Low-Tech-Job in einer High-Tech-Welt kann von keinem Computer geleistet werden.In den 60 Jahren, in denen die Fische an den mächtigen Strömen im Nordwesten gezählt werden, ist kein Computer und keine Videokamera fähig gewesen, das geübte Auge des Menschen zu ersetzen, das auf Anhieb Dutzende von Arten unterscheidet, die auf Laichwanderungen unterwegs sind und sich teilweise sehr ähnlich sind.Biologen der Columbia River Inter-Tribal Fish Commission haben versucht, ein elektronisches Artenerkennungssystem zu entwickeln."Wir arbeiten noch daran", sagt der Biologe Jeff Fryer.Er und sein Kollege haben an mehreren Stellen des Flußlaufs Videokameras installiert und mit einem Computer verbunden.Die Aufnahmen der vorbeischwimmenden Fische werden digitalisiert und auf der Festplatte gespeichert.Dann werden die elektronischen Bilder, auf denen kein Fisch zu erkennen ist, automatisch aussortiert.Die verbliebenen Aufnahmen können dann in kürzerer Zeit gesichtet und ausgewertet werden."Aber dazu ist immer noch ein Mensch nötig", erklärt Fryer."Die Erkennung der Arten ist einfach zu problematisch."Joanne Mohr hat Freude an ihrer Arbeit."Manchmal kann hier ganz schön was los sein." Im Schnitt kommt sie auf mehr als 100 Fische am Tag."Man bekommt auch eine Beziehung zu ihnen, wenn man sieht, wie die Lachse kämpfen, um flußaufwärts zu gelangen." Mohr ist sich der Bedeutung ihrer Arbeit bewußt."Man kann wunderbare Dinge mit dem Computer machen", sagt sie, während sie auf den nächsten Fisch wartet."Aber wir können eine Menge von Dingen beobachten, was der Computer nicht kann."

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