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Ein Projekt des John-F.-Kennedy-Instituts stärkt transatlantische Studiengänge

Matthias Kuder

Gemeinsame Studiengänge und Doppeldiplom-Programme zwischen deutschen und nordamerikanischen Hochschulen gibt es noch nicht allzu häufig. Dabei können diese innovativen Kooperationsformen große Vorteile für Hochschulen und Studierende bieten. Als Kompetenzzentrum für Nordamerika-Studien untersucht das John-F.-Kennedy-Institut der Freien Universität Berlin in Kooperation mit dem Deutschen Akademischen Austauschdienst im Rahmen des dreijährigen Sonderprojekts „Transatlantic Degree Programs“ (TDP) die Wege zur Intensivierung der universitären Zusammenarbeit zwischen Kanada, den USA und Deutschland.

Die Idee für das Vorhaben haben die Nordamerika-Expertinnen Prof. Ursula Lehmkuhl vom Kennedy-Institut und Britta Baron von der University of Alberta in Kanada entwickelt. Ihr Pionierprojekt weist in eine Richtung, die auch von anderen als zukunftsträchtig erkannt wird. So zeichnet sich ein zunehmender Internationalisierungstrend bei nordamerikanischen Hochschulen ab, bei dem strategische Partnerschaften mit einzelnen Hochschulen im Ausland eine wichtige Rolle spielen. Jüngst haben auch die EU-Kommission und das US-Department of Education das neue Atlantis-Förderprogramm ins Leben gerufen, das explizit die Schaffung gemeinsamer transatlantischer Studiengänge unterstützen soll. Impulse gehen nicht zuletzt vom fortschreitenden Bologna-Prozess aus, der auch dazu führt, dass intensiver über neue Organisationsformen des Auslandsstudiums im Rahmen der Bachelor- und Masterstudiengänge nachgedacht wird.

Unterrichtssprache, Studiengebühren, unterschiedliche Semesterzeiten – die Liste der Bedenken und Berührungsängste ist auf beiden Seiten des Atlantiks lang. Genau hier setzt das TDP-Projekt an. Eine Studie wird Aufschlüsse geben über Erfahrungen mit gemeinsamen Studienprogrammen. Eine Serie fachspezifischer Workshops soll aufzeigen, wie sie etabliert und erfolgreich betrieben werden können. Der Dialog zwischen den Protagonisten – Hochschulen, Studierenden, Akkreditierungsagenturen, Vertretern aus Politik und Wirtschaft – steht hier im Vordergrund. „Wir wollen diesen Dialog moderieren und dadurch den Weg für diese intensiven und innovativen, aber auch anspruchsvollen Kooperationsformen ebnen. Das Abbauen von Berührungsängsten und Vorurteilen ist dabei die Voraussetzung“, unterstreichen Baron und Lehmkuhl.

Der erste Brückenschlag des Projektes gelang in Chicago, wo im vergangenen Juni erstmals ein TDP-Workshop mit dem Schwerpunkt Ingenieurwissenschaften stattfand. Rund 50 Vertreter von Hochschulen, Ministerien und Akkreditierungsorganisationen aus Kanada, den USA und Deutschland diskutierten Schwierigkeiten und Lösungsansätze bei der Etablierung von gemeinsamen Studiengängen. Bis 2008 werden drei weitere Workshops folgen, dann mit den Schwerpunkten Wirtschaftswissenschaften, Jura und Sozialwissenschaften. Die Veranstaltung zum Thema Wirtschaftswissenschaften wird vom 20. bis 22. April 2007 in Tampa, Florida, stattfinden. Ausschreibungen für die Teilnahme werden in Kürze in Kanada, den USA und Deutschland erfolgen.

Das aus Mitteln des Deutschen Programms für transatlantische Begegnungen des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie geförderte Projekt will nicht zuletzt die vielen Chancen der engeren transatlantischen Zusammenarbeit aufzeigen. Für Studierende werden Auslandsaufenthalte vereinfacht, und die Abschlüsse ermöglichen einen besseren Zugang zum Arbeitsmarkt auf beiden Seiten des Atlantiks. Für Hochschulen eröffnen sich ebenso neue Möglichkeiten, etwa durch „pooling of resources“ – das gegenseitige Profitieren von den jeweiligen Stärken der Partnerinstitution. Auch stellen solche attraktiven Studiengänge eine ausgezeichnete Möglichkeit dar, auf dem internationalen Parkett im Werben um die klügsten Köpfe erfolgreich zu sein.

Mehr im Internet:

www.tdp-project.de

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