Zeitung Heute : Fit fürs internationale Parkett

Interkulturelle Trainings bewahren Geschäftsleute vor Fehltritten

Dirk Engelhardt

Eine Allerweltshandlung: Beim Business-Lunch werden die Visitenkarten ausgetauscht. Doch selbst bei solch scheinbar harmlosen Handgriffen sind Fehler regelrecht vorprogrammiert. Steckt ein Geschäftsmann die Visitenkarte kommentarlos ein oder macht sich gar Notizen darauf, wird er bei seinem Gegenüber anecken – nämlich dann, wenn der Geschäftspartner aus Japan stammt. „Die Visitenkarte ist das Gesicht des Japaners, entsprechend respektvoll muss man sie behandeln“, sagt Ute Winkels, die deutsche Manager fürs Business in dem Land aus dem fernen Osten schult.

„Business and Culture“ lautet der Slogan ihrer Firma asiakomm. „Wir verstehen uns als Mittler zwischen den Kulturen und engagieren uns für den deutsch-asiatischen Wirtschaftserfolg“, beschreibt die Unternehmerin ihre Geschäftsphilosophie. In Seminaren erläutert sie Japanern und Deutschen historisch und kulturell bedingte Umgangsformen und Geschäftsgebaren. So steht auf der Agenda etwa die „Doppelbödigkeit japanischer Kommunikation“, „japanische Managerrhetorik“ oder – nicht unwichtig – die „japanische Geschenktradition“. Einen kleinen Vorgeschmack kann man sich auf der Homepage der Agentur holen. Sie wartet mit einem kostenlosen online-Test zur interkulturellen Kommunikation auf.

Firmen wie Ernst & Young Deutsche Allgemeine Treuhand AG oder das Steigenberger Parkhotel nutzten Schulungen, damit ihre Mitarbeiter beispielsweise das japanische System der Personalentwicklung kennen lernen. In Japan geht es meist nicht um das Aufrücken des Einzelnen in gehobene Positionen, sondern um Qualifizierung durch ständige Jobrotation. Wert wird auf Teamwork gelegt, weniger auf Einzelleistungen.

Kunden in Japan wollen mindestens so gut gepflegt werden wie im Heimatland. Der Automobilhersteller BMW macht es vor: So werden Kunden in Japan, die einen BMW kaufen, automatisch in den Klub 7 aufgenommen, der unter anderem begehrte Konzert- oder Golfturnierkarten vermittelt.

Grundsätzlich will das interkulturelle Training nicht nur das kulturtypische Kommunikationsverhalten trainieren, sondern auch Strategien für erfolgreiches Verhandeln aufzeigen. Das geschieht in offenen Seminaren oder Inhouse-Seminaren. Zur Kultur zählt natürlich auch die Religion: So wird in den Kursen für die arabischen Länder als wichtiger Punkt der Einfluss des Islam auf das Geschäftsleben thematisiert.

Doch nicht nur Manager auf Geschäftsreisen profitieren von dem profunden kulturellen Training, auch Arbeitnehmer, die einen Job im Ausland annehmen, finden hier Hilfe für den Einstieg in die andere Arbeitskultur. Dabei sollte das Training auf jeden Fall auf den mitreisenden Lebenspartner ausgedehnt werden. „Interkulturelles Training für den Auslandsmitarbeiter zu finanzieren, aber nicht für Mitausreisende, widerspricht jeglicher Logik“, sagt Bernhard Reisch, Geschäftsführer des Instituts für Interkulturelles Management in Rheinbreitbach. Der Auslandseinsatz eines Mitarbeiters verläuft nämlich nur dann erfolgreich, wenn die Familienmitglieder sich im Auslandsort wohlfühlen.

Auch für Länder, deren Kultur sich nicht so stark wie die japanische von der deutschen unterscheidet, ist das interkulturelle Training angesagt. „Zurzeit sind die meistgefragten Länder nach wie vor die USA, mit leicht fallender Tendenz, und China, wo es wieder etwas anzieht“, sagt Reisch.

IFIM, Institut für interkulturelles Management GmbH, Maarweg 48, 53619 Rheinbreitbach, 022 24 / 949 50, www.ifim.de .

asiakomm, Berliner Allee 4, 40212 Düsseldorf, 02 11 / 16 19 55, www.asiakomm.de .

Management Circle AG, PF 5629, 65731 Eschborn / Taunus, 061 96 / 472 20, www.managementcircle.de .

ifa, Institut für Auslandsbeziehungen, Charlottenplatz 17, 70173 Stuttgart, 07 11 / 222 50, www.ifa.de .

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