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Flair der 30er Jahre : Seitensprünge

05.10.2012 00:00 UhrVon Chris Meplon
Ein Fest für die Augen. In den Zimmern mit schwülen Frauennamen machen vor allem die Tapeten den Reiz aus.Bild vergrößern
Ein Fest für die Augen. In den Zimmern mit schwülen Frauennamen machen vor allem die Tapeten den Reiz aus. - Foto: Marie-Françoise Plissart

Aufregend – aber mit Stil – so präsentiert sich heute erneut das 1935 gegründete ehemalige Rendezvous-Hotel Le Berger in Brüssel im Art-Déco-Stil.

Das Hotel Le Berger in der Rue du Berger in Elsene im Herzen Brüssels hat eine besondere Geschichte. 2010 drohte der Abriss dieses gut bewahrten geheimen Treffpunktes aus den 30er Jahren. Aber seit der Wiedereröffnung im Januar können die Gäste dort wieder hin – um über die Vergangenheit zu fantasieren. Oder um die Tradition des Hauses wieder aufzunehmen – in einem subtil renovierten und außerordentlich authentischen Dekor.

Der ursprüngliche Architekt und Unternehmer, ein gewisser Gabriel Duhoux, hatte ein besonderes Ziel vor Augen, als er dieses Gebäude 1935 entwarf. Es musste ein Rendezvous-Hotel mit standing werden.

Leichte Mädchen waren dort unerwünscht. Das war sogar auf einem Schild am Eingang zu lesen. Der Architekt tat sein Bestes, um bis ins Detail dem verfeinerten Geschmack seiner Zielgruppe, der damaligen Brüsseler Bourgeoisie, entgegenzukommen. Die Einrichtungsgegenstände und Möbel, die er entwarf, sind stark durch den populären Art Déco inspiriert.

Als Architekt hatte er auch noch ein Auge für andere Nöte seiner ehebrecherischen Klientel. Er strebte nach maximaler Diskretion. So installierte er einen doppelten Lift, um zu garantieren, dass die Liebespaare niemandem auf dem Weg von oder zu ihrem Zimmer begegnen würden. Auch die Hausfassade stand im Dienst der Anonymität. Die weiß gestrichenen Mauern mit hölzernem Pseudofachwerk verrieten nicht, was sich hinter ihnen abspielte. Auch die Lage des Hotels in einem zentralen Viertel, aber dann in einem Seitensträßchen, war ideal für verschwiegene Verabredungen.

Das Konzept von Dehoux blieb bis zur Schließung 2009 größtenteils bewahrt. Das war Freddy Martens mit zu verdanken, dem Mann, der das Hotel mehr als 40 Jahre als ein guter Hausvater führte. Aber seit den 90er Jahren gingen die Besucherzahlen zurück. Der Ort blieb noch beliebt als Location für Fotoshootings. Schließlich entschieden sich die Eigentümer, das Hotel abzureißen und stattdessen Neubauwohnungen zu errichten. Das Haus war nicht denkmalgeschützt. Nur einigen Teilen der Inneneinrichtung wurde ein kunsthistorischer Wert zuerkannt.

Hinter der unscheinbaren Fassade i n einer Seitenstraße im Zentrum Brüssels verbergen sich viele dunkle Geheimnisse aus den 30er Jahren.Bild vergrößern
Hinter der unscheinbaren Fassade i n einer Seitenstraße im Zentrum Brüssels verbergen sich viele dunkle Geheimnisse aus den 30er Jahren. - Foto: Marie-Françoise Plissart

Die Eigentümer fanden die Kosten für eine Anpassung an heutige Hotelnormen viel zu hoch. Ihre radikalen Pläne wurden durch die Art-Déco-Liebhaberin Isabelle Léonard vereitelt. Sie organisierte den Protest gegen den Abriss und konnte in letzter Minute eine Gruppe von Investoren überzeugen, das Le Berger zu retten. Jean Michel André ist das Gesicht dieser Gruppe, die auch Eigentümerin des The-White-Hotel in Brüssel ist. „Designhotels, wie wir sie seit einigen Jahren entstehen sahen, sind jetzt schon has been“, meint er. „Wir merken, dass das Publikum nun wieder einen Bedarf an Werten hat wie Geschichte, Authentizität und einer starken Identität.“

Er vertraute die Restaurierungsarbeiten der belgischen Architektin Olivia Gustot und der Schweizer Bühnenbildnerin Martina Nievergelt an. Die große Herausforderung für die Architekten war es, das Haus heutigem Komfort und Sicherheitsnormen anzupassen – ohne drastische Eingriffe, die dem bestehenden Charakter Gewalt antun würden. Das erforderte einige Tarnarbeit. So mussten die Zimmer mit falschen Decken ausgestattet werden. Jedes Zimmer bekam auch ein eigenes Bad mit Badewanne oder Dusche. Die Zimmer wurden früher für drei Stunden vermietet und hatten nur ein Bidet.

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