Zeitung Heute : Flecken und Eselsohren gehen gar nicht

Bewerbungsunterlagen müssen formellen Ansprüchen genügen – und doch individuell geprägt sein

Anja Brandt
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Bloß nicht zu sparsam sein. Anschreiben, Lebenslauf und das letzte Zeugnis sind das Minimum in einer Bewerbungsmappe. Foto: Kitty...

Die Schulzeit neigt sich dem Ende zu, und die Frage kommt unausweichlich: Was mache ich danach? Schulabgänger können nach Angaben des Bundesbildungsministeriums aus 349 staatlich anerkannten Ausbildungsberufen wählen. Doch ganz gleich für welchen sich die Absolventen entscheiden – sie müssen sich bewerben.

„Anschreiben, Lebenslauf und das letzte Zeugnis sind das Minimum in einer Bewerbungsmappe“, sagt Petra Kuberg, Berufsberaterin bei der Berliner Bundesagentur für Arbeit. Im Grunde sei es einfach: „Die Jugendlichen sollten alle Belege, die ein positives Bild von ihnen vermitteln, mit in die Bewerbungsmappe legen.“ Wer Zeugnisse über das Arbeits- und Sozialverhalten in der Schule hat: ab in die Mappe damit. Und wer Praktika gemacht hat, sollte Nachweise darüber oder Beurteilungen mitschicken – „unbedingt“ sogar, meint Tilo Herrmann, Ausbildungsleiter bei der Berliner Bank. Wer unsicher ist, was genau das Unternehmen sehen will: „Nachfragen“, empfiehlt Kuberg.

Ausbildungsleiter Herrmann etwa interessieren „die Kopien der letzten beiden Schulzeugnisse sowie, wenn bereits vorhanden, eine Kopie des Abschlusszeugnisses“. Auf seinem Schreibtisch landen Bewerbungen für den Ausbildungsberuf Bankkaufmann.

Um die Ausbildung zum Bürokaufmann bewirbt sich, wer seine Unterlagen an Tino Hofmann bei der Spedition Zapf, schickt. Mindestens eine Drei in Mathe und Deutsch sollte der Bewerber zwar schon haben, schließlich müsse er kaufmännisch arbeiten und auch Briefe schreiben. Doch Hofmann sagt: „Jeder weiß, dass Noten nicht zwangsläufig aussagekräftig sind.“ Viel wichtiger sei die Vollständigkeit der Unterlagen.

Berufsberaterin Kuberg, die täglich Bewerbungsmappen sieht, betont: „Geknickte Ecken oder Flecken auf dem Papier – das geht gar nicht.“ Auch fehlerhaftes Deutsch sei unbedingt zu vermeiden. Ihr Tipp: „Die Jugendlichen sollten die Bewerbung von jemand Erfahrenem lesen lassen, der sich auch mit Rechtschreibung auskennt.“

Und was sollte in Anschreiben und Lebenslauf stehen? Ausbildungsleiter Herrmann: „Die Bewerber sollten die Fähigkeiten skizzieren, die sie für diesen Beruf mitbringen sowie das Motiv nennen, warum sie sich etwa bei der Berliner Bank für eine Ausbildung interessieren.“ Die Sprache: offen, ehrlich und authentisch, wie Kuberg sagt. „Keine geschwollenen Formulierungen.“

Der Lebenslauf sollte am besten tabellarisch abgefasst sein: Geburts- und Wohnort, Schulausbildung und Praktika. „Auch Angaben zum außerschulischen Engagement und den Interessen der Bewerber sind wichtig“, sagt Tilo Herrmann. Hobbys sollten konkret angegeben werden. Wer gern Sport mache, sollte sagen, in welchem Verein. „Vielleicht kennt der Arbeitgeber den Club“, sagt Kuberg, „das bringt Sympathiepunkte.“ Gefährliche Sportarten sollte man unerwähnt lassen, wenn nicht ausdrücklich gefragt wird. Und für den optischen Eindruck ist ein aktuelles Passfoto angemessen.

Ausbildungsleiter Hofmann klagt: „Bei vielen Bewerbungen sieht man, dass Vorlagen verwendet wurden. Das zeigt: Da hat sich einer keine eigenen Gedanken gemacht.“ Wer jedoch von sich erzähle, warum er den Beruf ergreifen wolle und warum in dem angeschriebenen Betrieb, steche aus dem Einheitsbrei der Bewerbungen angenehm heraus.

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