Zeitung Heute : Flirrende Farben

ANNELIE LÜTGENS

Logik des Visuellen: Installationen von Dieter Balzer in der OrangerieANNELIE LÜTGENSSonnenlicht fällt durch die jalousienverhüllte Fensterfront der Kleinen Orangerie am Schloß Charlottenburg.Es malt feine Zebrastreifen auf das Pflaster des Steinbodens und schräge Muster auf Dieter Balzers Bilder.Acht Quadrate auf dem Boden, bestehend aus acht Schichten transparenter Industriefolie, die mit unterschiedlich breiten Streifen weißer Farbe bemalt sind.Dazu acht Tafeln an der Wand, jede zusammengesetzt aus wiederum acht Dreiecken.Schichtung und Reihung - diese beiden visuellen Ordnungsprinzipien kennen wir aus der minimalistischen Skulptur oder der objekthaften, abstrakten Malerei beispielsweise Imi Knoebels.Und in der Tat hat der 1958 geborene Dieter Balzer, der nach seinem Studium in England und Norwegen Berlin als künstlerische Heimat wählte, mit Skulpturen und Wandreliefs begonnen, bis allmählich die visuelle Logik von Farbfolgen jene Raumstrukturen auflöste. "acht/unendlich", wie der Titel der Ausstellung lautet, bietet Einblick in Balzers Arbeitsmethode.Sowohl die Quadrate auf dem Boden als auch die Bilder an der Wand sind linear organisiert.Die flimmernden, weißgelben Tafeln mit ihren kaleidoskopartigen Verdrehungen ergeben nebeneinandergehängt einen fließenden Rhythmus, der einen Moment lang an Vasarelys Op-Art erinnert, bevor die solide, bewußt unperfekte handwerkliche Optik wieder die Oberhand gewinnt.Zweitens antwortet die visuelle Struktur dieser Arbeiten auf die Dimensionen des Raumes, des floralen Winterquartiers.Die Glätte der Folie begegnet dem matten Stein des Bodens, das fluoreszierende Gelb überstrahlt das Reinweiß auf den Streifenbildern, so daß es ebenso schmuddelig wirkt wie das Weiß der Wand, auf der die Bilder hängen.Das quadratische Fenster zum Café ist mit Papier abgeklebt und sorgt mit seiner Gitterstruktur für Neutralität und Coolness. Nach Tina Schwichtenberg und Paul Pfarr ist Dieter Balzer der dritte junge Künstler, der in diesem schwierigen und gleichwohl faszinierenden Raum seine Arbeiten zeigt.Von den jährlichen drei Ausstellungen in der Kleinen Orangerie ist jeweils nur eine der zeitgenössischen Kunst gewidmet.Umso wichtiger, daß diese Möglichkeit, unspektakuläre Positionen vorzustellen, weiterhin erhalten bleibt. Kleine Orangerie, Schloß Charlottenburg, bis 27.September.Dienstag bis Freitag 15-18 Uhr, Sonnabend, Sonntag 14-18 Uhr.

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