Zeitung Heute : Flugdach am Fluß

Neues Bauen in Berlin: Das JannowitzCenter von PetschniggLange bevor sich am "neuen" Alexanderplatz, der Berlins Wandel zur Dienstleistungsmetropole so symbolisch wie kein zweites Projekt in Berlin demonstrieren soll, die Baukräne drehen, sind in seiner südöstlichen Nachbarschaft die Büroflächenquadratmeter schon zu Hunderttausenden zu haben.Unweit der schräg gegenüberliegenden "Trias", direkt an der Jannowitzbrücke über die Spree, wird noch im Sommer diesen Jahres das JannowitzCenter fertiggestellt.Mit ihm werden weitere 14 000 Quadratmeter Bürofläche auf den kränkelnden Berliner Immobilienmarkt geworfen.Indessen ist das Haus zur Hälfte schon vermietet; und zwar an drei Abteilungen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Umweltschutz und Technologie, die in dem zuerst fertiggestellten Bauabschnitt mit 700 Mitarbeitern eingezogen sind, weil die Nähe zu den anderen Abteilungen im eigenen Haus am Köllnischen Park attraktiv erschien. Das JannowitzCenter wurde von der Philipp Holzmann Bauprojekt AG errichtet.Die angebotenen Flächen verstehen sich als "erstklassig", denn die meisten Büros sind vom lauten Nadelöhr der Brückenstraße weg und zu Innenhöfen hin orientiert.Auch die Verkehrsanbindung ist günstig, liegt doch der U- und S-Bahnhof Jannowitzbrücke nur wenige Schritte entfernt auf der anderen Seite der Spree.Das Gebäude aus der fahrenden S-Bahn zu übersehen, ist nahezu unmöglich: Dafür sorgt ein aufwendig gestalteter zehngeschossiger "Kopf" samt Flugdach mit einer großen vertikalen Glasfläche, die sich über sieben Etagen an der Schmalseite des Baus emporreckt."Die Antenne als Wahrzeichen symbolisisert, daß man hier ganz auf Zukunftsempfang eingestellt ist", verkündet die Werbebroschüre.Eine digitale Zeit- und Temperaturanzeige am Fuß dieser Antenne macht die - etwas banale - Symbolik komplett. Die anderen Fassaden sind hingegen wesentlich sparsamer gestaltet.Zur Spree hin gliedert eine Bandfassade den Bau horizontal, entlang der Brückenstraße sind aus einer weißen Putzfassade nahezu quadratische Fenster ausgeschnitten und wechseln sich mit Höfen ab, die vom ersten Obergeschoß an die Büros belichten.Sie sind zur Straße hin großflächig und rahmenlos verglast.Die Höfe entstehen aus der Anordnung von fünf Gebäuderiegeln mit sechs Geschossen quer zur Straße und einem im Abstand parallel zur Straße verlaufenden Längsriegel.Die dreiseitig umschlossenen westorientierten Höfe machen das Grundstück in seiner Tiefe nutzbar und gewährleisten zu öffnende Fenster - trotz des Verkehrslärms.Wie bei derlei Projekten üblich, ist das JannowitzCenter ein nahezu reines Bürohaus.Nur im Erdgeschoß werden einige Einzelhandelsflächen angeboten.Ein Altbau mit knapp siebzig Wohnungen, der auf dem Grundstück steht, ist komplett saniert und als Wohnhaus erhalten worden.Er wurde direkt an den Neubau angebunden, der an der Einmündung der Rungestraße eine "runde Ecke" ausbildet.Das Längsgebäude wächst zur Spree hin um bis zu vier Geschosse über die Bürotrakte hinaus. Der Architekt Hans Erdmann entwarf das JannowitzCenter für das Büro Hentrich Petschnigg und Partner (HPP), eines der größten Architekturbüros in Deutschland mit Hauptsitz in Düsseldorf.Dort steht auch das bekannteste Werk, das für seine Eleganz vielgerühmte Thyssen-Scheibenhochhaus von 1960.Erdmann hat drei solcher Höfe entworfen.Es ist, als nehme der Rhythmus der Hofumbauungen Anlauf für das Fassaden-Fanal an der Spree.Die Büroriegel ähneln den Schritten vor dem Brett beim Weitsprung.Zusammen mit dem gegenüberliegenden Congress-Center bildet dieses overdesigned wirkende Bauteil eine städtebauliche Torsituation zum "Langen Jammer", dem nur einen Block südlich liegenden Plattenbau-Riesen an der Heinrich-Heine-Staße.

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