Zeitung Heute : Flugreisen: Ticket gilt auch im Zug

Klaus Kurpjuweit

Für Flugpassagiere kann schlechtes Wetter teuer werden. Wenn Flüge wie vor einer Woche ausfallen, weil die Flughäfen verschneit und die Maschinen vereist sind, gibt es keine Erstattung des Ticketpreises. Dies sehen die Geschäftsbedingungen bei höherer Gewalt so vor, sagte Lufthansasprecherin Karin Weber in Frankfurt. Die Lufthansa versuche aber stets, den Passagieren eine Lösung anzubieten.

Zunächst wird versucht, die Fluggäste auf andere Flüge umzubuchen, falls sich das Wetter später bessert. Wer nicht so lange warten will, kann mit seinem Flugticket auch auf die Bahn ausweichen, die die Flugscheine als Fahrschein anerkennt. Diese Regelung scheint aber nicht allen Mitarbeitern bekannt zu sein. Als am vergangenen Sonnabend je fünf Flüge von Tegel nach München und Frankfurt (Main) ausgefallen waren, erhielten die verhinderten Passagiere zunächst die Auskunft, beim Ausweichen auf die Bahn müssten sie ihren Fahrschein selbst bezahlen.

Lufthansa und die Deutsche BA bestellten schließlich sogar gemeinsam je einen Sonderzug nach München und nach Frankfurt. Im Münchener Zug war für die gut achtstündige Fahrt jedoch kein Speisewagen dabei. Eingesetzt wurde nach Angaben von Bahnsprecher Achim Stauß ein als Reserve stets bereitstehender Zug aus dem so genannten Leerpark. Ein Speisewagen sei dort nicht vorgesehen, weil es zu aufwendig sei, ihn stets betriebsbereit stehen zu lassen. Ihn kurzfristig zu bestellen, sei nicht möglich. Mit dem Münchener Sonderzug gab es zudem keine Nonstop-Fahrt. Der Zug hielt auch auf Unterwegsbahnhöfen, um weitere Fahrgäste an Bord nehmen zu können, was die Fahrtzeit verlängerte. Dies habe man mit den Fluggesellschaften vereinbart, sagte Stauß. So konnte die Bahn die Regelzüge entlasten, wovon vor allem Fahrgäste ohne Reservierung profitiert hätten.

Wer auf Regelzüge auswich, konnte seinen Hunger dagegen im Zug stillen; die ICE-Einheiten, die nach München und Frankfurt eingesetzt werden, haben alle ein Bordrestaurant. Ohne besondere Vereinbarung im Einzelfall würden dabei die Tickets der Fluggesellschaften als Fahrschein anerkannt, sagte Stauß weiter. Die Zugbegleiter ziehen das Ticket aber ein, um die Fahrt später mit den Fluggesellschaften verrechnen zu könnnen. Da diese das Ticket nicht zurücknehmen, bringt das Aushändigen an den Zugbegleiter keine Nachteile für den Besitzer.

Bevor man auf den Zug umsteige, müsse man sich aber am Flughafen beim Schalter der zuständigen Gesellschaft melden, sagte Karin Weber. Hier empfiehlt es sich, hartnäckig zu bleiben. Die Gesellschaften versuchen nämlich in der Regel, zunächst auf eigene Flüge oder auf Maschinen von vertraglich verbundenen Gesellschaften auszuweichen. Gibt es dort keine Plätze, kommt es auch schon Mal zu der Auskunft, es gebe überhaupt keine Umbuchungsmöglichkeiten.

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