Flugsicherung : Das feige Ufo von Bremen

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Sterne. Wenn man nach oben schaut und das Wetter gut ist, also keine Wolken stören, sieht man Sterne. Ich weiß, wovon ich rede. Ich habe erst unlängst beim Walking home for Christmas Unmengen Sterne gesehen. Aber der Leitstern war nicht dabei, kein Halleyscher Komet, keine Supernova, und der Stern von Bethlehem, der mich hätte führen sollen, war auch nicht dabei. Aber das macht nichts, heutzutage gibt es ja Landkarten.

Viel ärgerlicher ist, dass ich bei all dem Starren an den Himmel wieder kein Ufo gesehen habe. Nichts, nicht mal ein klitzekleines. Ich hätte gar nichts gegen so ein Ufo gehabt. Es hätte runterkommen dürfen zu mir, und wenn es mich gefragt hätte, ob es mich ein Stück mitnehmen kann, damit ich nicht die gesamte Strecke zu Fuß laufen muss, wäre ich bestimmt eingestiegen. Immerhin weiß ich jetzt, warum ich kein Ufo gesehen habe.

Das erste Ufo 2014 war unterwegs nach Bremen. Auf dem Weg von Berlin nach Düsseldorf bin ich nicht an Bremen vorbei gekommen, nicht mal im Entferntesten. Warum das Ufo nach Bremen geflogen ist, weiß ich nicht, was es dort zu finden hoffte, auch nicht.

Ich bin, ehrlich gesagt, ein wenig beleidigt, weil ich immer von Ufos gemieden werde. Alle Welt hat schon Ufos gesichtet, jetzt haben sogar Bremer eins geortet, sogar Bremer Polizeibeamte. Und ich wieder nicht. Vielleicht liegt es auch an meinem kleinen Restzweifel, ob es Ufos überhaupt gibt. Das von Bremen war aber zweifelsohne da. Wie die dortige Flugsicherung mitteilte, war das Ufo etwa drei Stunden lang immer mal wieder auf dem Radar aufgetaucht. Ein Flug aus Frankfurt musste gestrichen werden, ein anderer Flug wurde umgeleitet. Zwei Polizisten haben ebenfalls etwas Leuchtendes am Himmel gesehen, das Objekt hat, laut Polizeiangaben, auch noch zusätzlich senkrecht nach oben geleuchtet. Die pflichtbewussten Polizisten haben das Ufo sogar verfolgt, bis es in den Wolken verschwand, natürlich nur auf dem Landweg. Könnten Polizeiautos einfach so mal kurz fliegen, wären sie womöglich selber Ufos. Ein angeforderter Polizeihubschrauber kam zu spät, da war das Ufo schon wieder weg.

Ufos können gemein sein, nicht nur mir gegenüber. Der Polizeisprecher von Bremen weist darauf hin, dass so ein Ufo nicht nur gemein ist, sondern eine Straftat. Die Behinderung des Flugverkehrs kann mit einer Geldstrafe belegt werden. Und mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft werden. Man kann also verstehen, dass sich das Ufo schnell aus Bremen verdrückt hat.Helmut Schümann

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