Zeitung Heute : Flurbereinigung

G.G.

Zur Förderung der Berliner PrivattheaterG.G.Eine Reform, die niemandem wehtut, gibt es nicht.Die neue Struktur zur Förderung der Berliner Privattheater wird einige Bühnen aus diesem System hinausbefördern.Protestaktionen seitens der Betroffenen sind zu erwarten, gleichwohl ist dem erfahrenen Theatermann Peter Stoltzenberg zu bescheinigen, daß seine Urteile in manchen Fällen - wie dem der Tribüne oder der Vaganten - streng, aber gerecht sind.In anderen Fällen wiederum muten sie nicht ungerecht, aber milde an - Heribert Sasses Verdienste schätzt Radunskis Gutachter höher ein als manch anderer theaterkritische Beobachter. "Um besonders gut zu sein, muß man etwas Besonderes sein", lautet die Maxime, die Stoltzenberg seinem Gutachten für den Kultursenator vorangestellt hat.Hübsch formuliert, aber wie ist damit einem anderen Sorgenkind, dem Renaissance-Theater, zu helfen? Die Fusion mit dem Schloßpark-Theater, die Stoltzenberg ins Gespräch bringt, hieße, aus zwei halbstarken Unternehmen ein Zwillingspaar zu machen, das mit vereinter Kraft über die Runden kommt - eine einfache, aber wenig originelle Lösung.Interessanter mutet die Idee an, das Haus in der Hardenbergstraße dem Haus am Schiffbauerdamm anzugliedern, also dem Berliner Ensemble eine zweite Spielstätte zu verschaffen - so wie die Wiener Burg sie mit dem Akademietheater hat.Dann hätte Claus Peymann, wenn er denn endlich von der Donau an die Spree zu holen wäre, auch hier mehr Auslauf für seine Spielschar. Im übrigen hat Stoltzenberg mit diesem Gutachten erst die eine Seite der Medaille vorgezeigt, nun gilt es, die andere Seite zu prüfen: die Off-Szene.Welche Freie Gruppe, bisher von der Hand in den Mund lebend, soll künftig in den Genuß der freiwerdenden Mittel kommen? Und an welchem Ort? Soll etwa das Theater zum westlichen Stadthirschen aus seiner Fabriketage in die Tribüne umziehen? Die Besseren unter den Freien, wie zum Beispiel die Neuköllner Oper, sind mit ihrer vertrauten Spielstätte zufrieden.Und die nicht ganz so Guten, die vielleicht nur vom Reiz ihres Lokalkolorits zehren, verdienen sie überhaupt eine Förderung? Ein weites Feld tut sich da auf, voller Wildwuchs, der zu jäten ist - zugunsten der Pflänzchen, die eine Pflege lohnen.

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