Zeitung Heute : Forever young

Konziliant, nie redundant: Ulrich Gregor zum 65.Er überragt die meisten.Das ist wörtlich zu verstehen, mit 1,91 Meter ist er in jeder Menschenmenge sofort auszumachen.Und er überragt auch im übertragenen Sinne - um dies sehr nüchtern zu konstatieren, genügt es, einmal fünf Minuten mit ihm zu tun zu haben.Aber überragend sein in diesem und jenem Sinne, das tun manche.Wenn zugleich eine lebenslange Bescheidenheit dazukommt, die freilich nicht mit Schüchternheit zu verwechseln ist, dann ragt das ins Seltene. Ulrich Gregor kennenlernen? Das ist ganz einfach.In den Köpfen der meisten, die sich in Berlin für Film interessieren, ist er jener schmale, stets korrekt gekleidete, irgendwie forever young wirkende Schlaks, der unermüdlich und vielsprachig alljährlich zehn Februartage lang im proppenvollen Delphi nach jeder Vorstellung mit Filmemachern aus aller Welt diskutiert - stets konziliant, nie redundant.Und wer diese Veranstaltungen erlebt hat, weiß: Hier, im Forum, schlägt das Herz der Berlinale. Natürlich macht Ulrich Gregor auch anderes, das Arsenal zum Beispiel, zusammen mit dem Verein Freunde der Deutschen Kinemathek, natürlich kennen Cineasten ihn als Mitautor der "Geschichte des Films" und anderer Bücher - aber als Festivalchef, der übers Jahr weltweit die spannendsten, schwierigsten, schönsten neue Filme für sein Internationales Forum zusammensucht, ist Gregor unersetzlich.Unersetzlich? Niemand ist unersetzlich, hören wir Gregor entgegnen und sehen, wie er sein Haus schon heute bestellt, obwohl ihn niemand danach fragt, im Gegenteil. Und so ist sein 65.heute eigentlich kein Datum.Erst mittags fliegt er aus New York ein, vom Filmesichten beim "Independent Feature Project", ein bißchen vorfristig, weil es das Datum so will.Abends (19 Uhr) zeigt das Arsenal zwei seiner Lieblingsfilme, "Wavelength" und "Cinemafia", und natürlich wird der Hausherr ein paar Worte vorneweg sagen."Many Happy Returns, Ulrich Gregor!", wünscht ihm sein Arsenal-Team, zu dem, wie man weiß in Berlin, auch Ehefrau Erika und Tochter Milena gehören.Kleine Zeile im Programmfaltblatt für ein life in progress, und das ist an Unbescheidenheit schon das Äußerste.jal

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