FOTOGRAFIE Gundula Schulze Eldowy : Engel in der Hölle

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Sie ist die Meisterin der Melancholie. In ihrem Zyklus mit Schwarz-Weiß-Landschaftsbildern „Der Wind füllt sich mit Wasser“ lässt Gundula Schulze Eldowy eisige Winternebel aufsteigen. Feuchte Kälte kriecht aus der Erde oder wabert über Wassergräben. Hochnebel packt die Wiesen in Watte. „Verwandlungen“ lautet das Motto der berückenden Ausstellung im Kunst-Raum des Deutschen Bundestages, die parallel zur großen Schau mit Bildern der Jahre 1977 bis 1990 bei C/O Berlin läuft. Bei C/O ist zum ersten Mal vollständig die zwischen 1986 und 1990 entstandene Serie „Der große und der kleine Schritt“ mit Aufnahmen aus dem Schlachthof, der Gummifabrik oder dem Kreißsaal zu sehen.

Die Ausstellung im Marie-Elisabeth-Lüders- Haus zeigt die Wandlungsfähigkeit der Fotografin, die ihre Laufbahn mit unerbittlichen Bildern von prekären Existenzen in der DDR begann. Schulze Eldowy fotografierte seit 1977 in den Hinterhöfen Berlins, eine Welt, die bereits dem Untergang geweiht war. Nach dem Fall der Mauer gelangt Licht in das Werk der Fotografin. Ein wenig zu prächtig glänzen jetzt die Fotos von byzantinischen Ikonen aus Konstantinopel. Die Fotografin illuminiert die großformatigen Bilder mit Blattgold und erhebt die verblassenden Gemälde der Heiligen zu überirdischen Erscheinungen. Auf Moskauer Friedhöfen findet sie Porträts von Verstorbenen unter gesprungenem Glas. In der Vergrößerung wirken die Toten wie in Eis eingeschlossen. Mit ihrer Kamera ertastet Gundula Schulze Eldowy Verfall und Untergang. Dabei gewinnt sie dem Eishauch der Melancholie Schönheit und Wärme ab. Simone Reber

C/O Berlin, Sa 10. 12.-26. 2., Mo-So 11-20 Uhr, Marie- Elisabeth-Lüders-Haus, bis 26.2., Di-So 11-17 Uhr

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