FOTOGRAFIESebastião Salgados „In Principio“ : Kaffee schwarz-weiß

Deike Diening

Aus der Perspektive eines gepolsterten Starbucks- Sessels verliert der Kaffee schnell seine Schwärze. Er wird löffelweise gesüßt und mit viel aufgeschäumter Milch aufgehellt. Es geht um Genuss und Arbeitspausen. Genuss und Arbeitspausen liegen im Trend. Doch der legendäre brasilianische Fotograf Sebastião Salgado interessiert sich mehr für die Arbeit, und wo er hinguckt, da sind die Schwärzen noch schwarz, und das Licht ist dramatisch.

Er ist dafür berühmt geworden, dass er uns seit Jahrzehnten die Bedingungen zeigt, unter denen rund um den Globus die Genüsse der westlichen Welt zustande kommen: Da ist die Tabakernte in Kuba, die später im Rauch der Zigarren aufgehen wird, da sind die ameisenhaften Goldsucher nur noch eine Masse Mensch, deren Ausbeute später an gepflegten Hälsen hängt, die völlig besudelten Arbeiter, die das Öl fördern, das unserem Leben seine Geschwindigkeit gibt, und die Arbeiter, die in China Autos zusammenschrauben.

Er hat auch die Migranten fotografiert, die entschlossen sind, den Warenströmen zu folgen, und die Männer, die riesige ausgediente Tankschiffe wieder auseinandernehmen. Der 64-jährige Sebastião Salgado ist ein Mann für die Wurzeln, der sich neun Monate eines Jahres auf Reisen begibt, um dorthin zu gehen, wo bloßer Hände Arbeit den Luxus der anderen schafft.

Diesmal zeigt er uns auf 60 Schwarz-Weiß-Fotografien mitten im Coffee-County Mitte die Handarbeit der Kaffeebauern in Äthiopien, Indien, Guatemala, Kolumbien und Brasilien. Coffee-to-see. Deike Diening

C/O Berlin im Postfuhramt, Sa 6.9. bis 5.10., tägl. 11-20 Uhr, 7 €, erm. 5 €

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