FOTOGRAFIEThea Sternheim: „Illustrationen eines Tagebuchs“ : Sichten der Salondame

Eva-Maria Träger
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Um Geld hat sich Thea Sternheim bis ins hohe Alter nie sorgen müssen: Als Spross einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie konnte sich die 1883 in Neuss geborene Schriftstellerin unbefangen den schönen Dingen des Lebens widmen, nach Herzenslust lesen, schreiben, Kunst und Kultur studieren.

Ihre Tagebuchaufzeichnungen, mit denen sie von 1903 bis zu ihrem Tod 1971 ihre Begegnungen und Erlebnisse beschrieb, gelten als wertvolle Zeitzeugnisse einer klugen, politisch interessierten Frau mit Verbindungen zu allen wichtigen zeitgenössischen Intellektuellen. Die Fotografien zu diesen Notizen sind bisher weitgehend unbekannt geblieben. Das Verborgene Museum zeigt nun erstmals eine Auswahl von Porträtaufnahmen.

Auf den ersten Blick wirken die Bilder eher unscheinbar in den schmucklosen Räumen des Museums, das sich in einem Charlottenburger Hinterhof versteckt. Bei näherer Betrachtung aber entfaltet sich ein Zauber, ein Sog in die Zeit der großbürgerlichen Salons, mit üppig gepolsterten Sofas, dichtem Zigarettendunst und hitzigen Diskussionen.

Thea Sternheim porträtiert ihre Bekannten und Freunde, darunter auch Erika und Klaus Mann (li.), Annette Kolb (re.), André Gide und Max Ernst, gerne und oft, in unterschiedlichen Situationen, an verschiedenen Orten. Den belgischen Maler und Grafiker Frans Masereel beispielsweise fotografiert sie am Akkordeon, über seinen Druckplatten und beim Scherzen mit Carl Sternheim. Und auch die Entwicklung von „Mopsa“, Sternheims Tochter Dorothea, lässt sich von Pubertät über Hochzeit bis ins Erwachsenenalter verfolgen. Eva-Maria Träger

Das Verborgene Museum, bis So 8. 2.,

Do/Fr 15-19 Uhr, Sa/So 12-16 Uhr, 2 €

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