FOTOKUNSTMan Ray Retrospektive : Lichtmalerei

Bernhard Schulz

Die europäische Avantgarde, die kurz vor dem Ersten Weltkrieg in die Neue Welt kam – vor allem zur New Yorker „Armory Show“ von 1913 –, wirkte wie ein Donnerwetter. Endlich, so schien es, gab es eine Kunst, die der Modernität des eigenen Landes angemessen war. Der junge Emmanuel Rudnitzky lernte die Europäer in der Galerie von Alfred Stieglitz – selbst Emigrantensohn aus wohlhabendem Hause – kennnen und schloss sich der eben aufkeimenden Dada-Bewegung an. Fortan nannte er sich knapp und griffig Man Ray. Mit Marcel Duchamp, dem Skandalkünstler der „Armory Show“, und Francis Picabia wurde er zum Protagonisten des kurzlebigen „New York Dada“ – und ging folgerichtig, als die Avantgarde nach dem Kriegsende im eisigen Desinteresse des amerikanischen Isolationismus unterging, „zurück“ nach Europa.

Man Ray wurde zum wichtigsten Fotokünstler der Pariser Kunstszene, die sich bald zum Surrealismus hin entwickelte. Stets experimentierte er mit den Möglichkeiten der „Lichtmalerei“, als die er die Fotografie im Wortsinne begriff; doch zugleich schuf er einige der besten und und professionellsten Aufnahmen seiner Künstlerkollegen. Kein Wunder – er verdiente seinen Lebensunterhalt als Berufsfotograf. Nun widmet ihm der Martin-Gropius-Bau eine umfassende Retrospektive, gespeist vor allem aus dem reichen Nachlass des 1976 gestorbenen Künstlers. Für seinen Grabstein hatte er die Aufschrift „unconcerned, but not indifferent“ ausgewählt: „Unbekümmert, aber nicht gleichgültig“. Und genau das trifft die Haltung der Paris-New Yorker Avantgarde der zwanziger Jahre. Bernhard Schulz

Martin-Gropius-Bau, Fr 13.6. bis Mo 18. 8.,

Mi-Mo 10-20 Uhr, 7 €, erm. 5 €

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