Francois Hollande und Valérie Trierweiler : Rüffel für 137 Zeichen
16.07.2012 00:00 UhrManchmal erledigen sich Affären von selbst. Man schweigt sie einfach tot. Das mochte auch Präsident Francois Hollande anlässlich der Twitter-Affäre seiner Partnerin Valérie Trierweiler angenommen haben. Sie hatte sich im Juni per Twitter in den Wahlkampf eingemischt und in La Rochelle den Rivalen von Ségolène Royal unterstützt.
Royal ist die frühere Gefährtin Hollandes und Mutter von vier gemeinsamen Kindern. Sie kandidierte dort mit dem Segen der Sozialistischen Partei und auch des Präsidenten für die Nationalversammlung. Doch der Schaden für das Ansehen Hollandes, den die Première Dame mit ihrer Kurzbotschaft von 137 Zeichen angerichtet hatte, ließ sich so leicht nicht unter den Teppich kehren. Nun hat sich Hollande entschlossen, sein Schweigen zu beenden und klarzustellen, wer im Elysée-Palast das Sagen hat.
„Ich bin für eine strikte Trennung von Privatleben und öffentlichem Leben“, sagte er am Samstag in seinem Fernsehinterview zum französischen Nationalfeiertag. Er verlange von seinen Angehörigen, diese Trennung zu respektieren. „Affären der Familie müssen privat geregelt werden.“
Die Erklärung war nötig geworden, nachdem sich Hollandes Sohn Thomas in der vergangenen Woche in einem Interview mit dem Magazin „Le Point“ zu der Affäre geäußert hatte. Sein Vater sei über die vermutlich aus Eifersucht diktierte Twitter-Botschaft „entsetzt“ gewesen, berichtete der 27-jährige Rechtsanwalt, der Hollande im Wahlkampf zur Seite stand. Er habe gewusst, dass eines Tages etwas von ihr kommen würde, „aber nicht ein solcher Tiefschlag“. Er und seine Geschwister hätten beschlossen, nicht mehr mit ihr zu reden. Sie habe die Bemühungen Hollandes, sich ein Image als „normaler Präsident“ zu geben, zerstört. Hollande habe ihm versprochen, sich öffentlich zu Trierweilers Rolle als „Première Dame“ zu äußern.
Das ist nun geschehen. Die Franzosen hätten ihn und nicht seine Familie zum Präsidenten gewählt, sagte Hollande in dem TV-Interview. Eine Definition der Rolle der Première Dame sei daher nicht nötig. Umgekehrt habe er Verständnis dafür, „dass Valérie ihren Beruf als Journalistin weiter ausüben will“. An seiner Seite werde sie nur noch öffentlich auftreten, wenn das Protokoll es verlange. „Das wird nicht oft sein.“
In der Zeitschrift „Paris Match“ schreibt Trierweiler wieder ihre wöchentlichen Kolumnen. Im Elysée-Palast steht ihr ein Büro zur Verfügung, das sie jedoch, wie es heißt, nur alle zwei Tage aufsucht. In der Öffentlichkeit ist sie seit der Affäre kaum noch gesehen worden. Beim Empfang für Bundeskanzlerin Angela Merkel aus Anlass der 50-Jahr-Feiern des deutsch-französischen Freundschaftsvertrages in Reims war sie nicht dabei. Zum offiziellen Besuch zu politischen Gesprächen mit dem britischen Premier David Cameron, wo ihn auch Königin Elizabeth II. begrüßte, reiste Hollande allein. Bei der Besichtigung eines Behindertenzentrums in Begleitung von drei Leibwächtern versteckte sie sich trotz Regenwetters hinter einer großen modischen Sonnenbrille. Auch bei der Vorstellung eines Fotobuchs über Hollande, für das sie die Bildtexte verfasst hatte, glänzte sie durch Abwesenheit.
Erst am Nationalfeiertag am Wochenende wurde sie wieder wahrgenommen. Mit anderen Gattinnen von Regierungsmitgliedern hatte sie im Hintergrund der Ehrentribüne Platz genommen, auf der der Präsident die Militärparade abnahm. Danach begleitete sie Hollande zum internationalen Marinefest Tonneres nach Brest und am Sonntag zum Festival in Avignon.
Ihre Kurzbotschaft hat Trierweiler inzwischen wohl bedauert und Besserung gelobt. „Bevor ich wieder ein Tweet verschicke, drehe ich meinen Daumen siebenmal um“, sagte sie beim Besuch in Brest. Doch die Affäre dürfte das Präsidentenpaar noch weiter beschäftigen und dem Publikum Unterhaltung bescheren. Mehrere Bücher, die Enthüllungen über Hollandes Frauen versprächen, seien zum Herbst in Vorbereitung, weiß die Zeitung „Journal du Dimanche“ zu berichten. Auch für die Bühne scheint sich der Stoff zu eignen. Im Theater „Le Caveau de la République“ (Der Keller der Republik) sei die Aufführung eines Stücks mit dem verheißungsvollen Titel „Ne me tweete pas“ (Tweete mich nicht) programmiert.









