Zeitung Heute : Frank Schirrmacher: Die Schi.-Schule

Jürgen Schreiber

Mit dem schönsten Eröffnungslächeln (auch wenn es etwas Zusammengebissenes hat) bittet Frank Schirrmacher in sein Büro. Noch bei der Begrüßung zupft der Herausgeber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" am Hosenbein und deutet auf seine Halbstiefel mit weißen Schnürsenkeln: kreuzweise geschnürt, perfekt gebunden.

Auwei. Der 41-Jährige hat nicht vergessen, wie ihn der Autor 1993 beschrieb. Damals schlurfte das Wunderkind des deutschen Feuilletons verspätet mit schiefer Krawatte, strubbeligem Haar und offenen Bändeln zum Gespräch. Jetzt ist alles makellos. Aber er ist nur halb zufrieden mit unserem Lob, die Schuhe ähnelten Fritz Walters Tretern von der Fußball-WM 1954.

Bloß ein kleines Vorgeplänkel. Es gibt ihm Zeit, den Fremden zu taxieren. Deutlich steht auf seiner Denkerstirn: Kommt da wieder ein Böser? Haut der mich in die Pfanne? Mit entwaffnender Offenheit lässt Schirrmacher einfließen: "Ich habe schon genug Feinde, ich brauche keine neuen."

Gesammelte Bosheiten

Der Publizist beherrscht das Medien-Spiel. Auf subtiler Jagd nach Komplimenten kokettiert er bewusst mit seiner Rolle. Sonst ein Alpha-Tier der Branche, sieht er in Porträtisten natürliche Gegner, ein durch seinen Lehrmeister Marcel Reich-Ranicki vertrautes Phänomen. Die schärfsten Verreißer reagieren erstaunlich dünnhäutig, geht es um sie selber. Schirrmacher kennt jede Bosheit auswendig, die über ihn gedruckt worden ist, und zitiert sie aus dem Kopf. Die Aufzählung klingt wie ein Test, ob sein Gegenüber diese Zitate gespeichert hat. Außerdem macht sich "Schi." (so sein Kürzel) rar. Seine Assistentin, Frau Ruppel, vertröstet Anfrager mit dem herrlichen Satz: "Der Tag X ist für Sie noch nicht gekommen."

Sein scharfes Urteil über Günter Grass gilt erst recht für ihn selbst: "Er, der für alle sprach, entzog sich allen." Wie dieser misstraut der FAZler Geschichten, die er nicht kontrollieren kann. Traf auch er Vorkehrungen, "sich unkenntlich zu machen", wie er über Grass notierte? Sein Status käme dem entgegen. Schirrmacher ist der schillerndste von den fünf Herausgebern der "Allgemeinen", die, ungewöhnlich genug, keinen Chefredakteur hat. Dem Gremium ist die inhaltliche Linie "anvertraut". Limousinen mit Fahrer stehen zur Verfügung, sonst ist wenig über die Runde der Erwählten bekannt.

Auffallend oft fällt bei "Schi." der Satz: "Das ist nicht zum Zitieren." Gemeinhin die Floskel von Politikern, die unter Druck stehen, bei denen unklar bleibt, ob ihr Interesse an Frage und Antwort echt oder professionell ist und die sich angesichts ihrer Gegner taktisch-lauernd verhalten. An solchen mangelt es ihm nicht. Mit gequältem Blick räumt er ein: "Ich habe schon für viele Artikel Schläge bekommen", er erinnere an die Walser-Bubis-Debatte.

Neuerdings - das dürfte man bei "Schi." nie schreiben - rauscht es im Blätterwald, weil er sich in den Augen von Kritikern an den besten FAZ-Seiten vergreift. Mit einem Elan, der für das konservative Organ Revolutionäres hat, füllt er die Feuilleton-Spalten randvoll mit Exotika: Berichte über Robot- und Gentechnologie, "die 3. industrielle Revolution". Er forciert die Thematik, als gebiete er über ein Kabinett, setzt flankierend Himmel, Hölle und insbesondere E-Mails in Bewegung. Die Meinungen über den Trendsetter schwanken darob extrem zwischen genialem Zeitungs- und (bei der Konkurrenz) genialem Windmacher.

Schwarze Gedanken

Das postmoderne Foyer in der Frankfurter Hellerhofstraße ist wie gemacht für einen dem Alltäglichen entrückten Schöngeist. Die Empfangsdame vergewissert sich, ob "ein Herr Schirrmacher" hier auch wirklich beschäftigt ist. Dann gleitet der gläserne Lift durch Raum und Zeit in höhere Sphären: sein Zimmer 434, mit Anschluss an die Zukunft. Über den leuchtenden Monitor zuckt, weiß auf blau und auffordernd, das FAZ-Logo. Mit stetem Seitenblick aufs Handy-Display empfängt er laufend SMS: "Moment, das ist wichtig."

Nicht zufällig bildet ein Tischchen mit Fotos des Genom-Entschlüsselers Craig Venter eine Art Altar. Das Thomas-Mann-Bild an der Wand ist weg und durch einen "for Frank" signierten zwei Meter großen Venter-Text ersetzt. Daneben verblasst mit einem Werk von Max Beckmann die gute alte Zeit. Vor ihm steht eine Büste Darwins. Hinter ihm hängt ein Gemälde von Bernd Heisig. Es hat Ikarus zum Motiv, eine doppeldeutige Figur himmelstürmenden Übermuts und jäher Absturzgefahr. Für einen Erfolgstypen plagen Schirrmacher sonderbar schwarze Gedanken. Glück sei nur geborgt, für "Schicksalsgunst" bekomme man die Quittung in Gestalt von Tragödien und Katastrophen, unkt er oft. Sein Ikarus korrespondiert mit dem ihn beseelenden Thema des Zukünftigen. Wer sich darüber verbreiten möchte, bitte, er findet sein offenes Ohr.

Schirrmacher verschränkt die Hände im Nacken, legt die Beine hoch und ist auch sonst wild entschlossen, sich relaxter zu zeigen, als nach den Angriffen auf ihn zu erwarten wäre. Er zitiert Ernst Bloch: "Ich bin, aber ich habe mich noch nicht, darum werden wir erst", und stellt damit Sein und Haben in den Raum. Rasch ein Satz zu Gottfried Benn: "Er ist mein Gott." Jetzt sind wir bei Ernst Jünger, der ihn im "Tagebuch" verewigte und damit rührte. Die Erstausgaben habe er ihm auch signiert, "und wie!". Schon stimmt das Berufsbild wieder: Der Dr. phil., der seine "Identität aus der Literatur" bezog, wehrt dem Eindruck, seiner eigentlichen Profession abgeschworen zu haben. Im Regal ist die Weltliteratur rauf und runter in Hunderten von Werken ohnehin präsent.

Rezensent Schirrmacher erlebte die Bücherschwemme zuletzt als "ständigen Enttäuschungsprozess". Natürlich, den Roman eines Kumpfmüller, die Gedichte eines Grünbein und jede Zeile des verehrten Enzensberger möchte er nicht missen. Er ist mit einer Autorin verheiratet, die seinen Blick für Ingo Schulze und überhaupt das Gegenwärtige schärfte. Die Aufzählung hat bei aller Kennerschaft etwas Pflichtgemäßes, kaschiert kaum, dass die Poesie eben nicht mehr die ihn beherrschende Macht ist. Wann hätte er über Belletristik gejauchzt wie über Sachbücher: "klar, präzise, spannend!" "Sie verändern die Öffentlichkeit!"

Wer ihn trifft, tut gut daran, in der Bibliothek des Wissens die Forscher Edward O. Wilson und Jacques Monod nachzuschlagen. Auch Ray Kurzweil, "Chronist der technologischen Revolution", wäre nicht schlecht, eine Hommage auf Venter ist erwünscht. Aktuell hat er sich an einer "Evolutionsgeschichte des Krebses" festgelesen, ein eigenes Fachbuch über den Genom-Komplex ist geplant. Kurz, den "Schi." der "third culture" muss man sich von einem inneren Motor angetrieben denken, der, auf Basis jüngster Erkenntnisse, mit Raps oder erneuerbarer Energie tickt.

Publizistisch meldet er sich fast nur noch mit Fantastischem zu Wort: Nanoboter und Artverwandtes, eine Materie, die manche für sein kurioses Hobby halten: "Fast wöchentlich werden wir von technischen und wissenschaftlichen Innovationen überrascht ...", tönt seine gewichtige Stimme aus dem Off. Indes: "Europa schläft." Nur Frank Schirrmacher wacht. Man muss erlebt haben, wie er an einem Berliner Tresen versucht, den ahnungslosen Grünen Rezzo Schlauch mit dem Bio-Virus anzustecken, im Gesicht den fernen Blick des Mannes, der seiner Zunft vorauseilt. Erntet er teilweise hämische Kommentare, könnte er sich wie der Prophet fühlen, der im eigenen Land wenig gilt. Ex-Präsident Clinton gefiel die Genom-Nummer ausnehmend gut, lässt er diskret einfließen. Will sagen: In Leuchtschrift hätte ihr Effekt nicht größer sein können.

Der Meinungsheld, zurückgelehnt im schwarzen Sessel von Le Corbusier. Ob man bemerke, dass er abgenommen habe? So signalisiert er diskret, nicht mehr als der mollige Streber gesehen werden zu wollen. Was hat der Dr. phil. noch gemotzt gegen die Reichstags-Verhüllung, die Stimme erhoben zu Goldhagen, zu Lechts und Rinks, geleitet von Abneigung gegen 68er-Ideen und ihre Wortführer. Er hat Scharmützel gesucht, ausgeteilt und bekommt einiges zurück. Ist immerhin bereit einzuräumen, das eine oder andere würde er heute anders bewerten als damals. Früher pflegte er den Ton des Absoluten, scharfkantig und ultimativ. Jetzt mischen sich Skepsis, Staunen, Ratlosigkeit in den vertrauten Klang, geben den Hinweis auf eine Veränderung: "Niemand weiß, wohin die Gentechnologie führt." Nach heftiger Sturm- und Drang-Zeit hat es was für sich, ihn in neuer Sachlichkeit über schwere Kost dozieren zu hören: über "Erdnuss-Allergien" und genmanipulierte Erdnüsse, die keine Allergien auslösten. Ob man den Bericht über "golden rice", goldenen Reis, gelesen habe? Tolles Ding! Man rutscht klein und erschrocken auf der Couch zurück, nickt aus reiner Solidarität wissend, verkneift sich Widerspruch.

Der Referent trägt heute das Dunkel des Missionars. Ja, es ist gewöhnungsbedürftig, wenn ein Großkritiker zum Spezialisten für Getreidegräser mutiert, kundig die Fruchtfliege durchnimmt oder die dem Menschen genetisch ähnlichen Würmer und sich im "Buch der Natur" festliest wie in einem Roman. Zumal er, der sich mit weit gespannten Essays über die Wolf und Walser einen Namen machte. Literatur, Science und Fiction verklammert "Schi." mit der These, angesichts dramatischer Zäsuren genüge es nicht, die angelernte Weltsicht bloß fortzuschreiben.

Der in Wiesbaden geborene Beamtensohn ist zehn Jahre jünger als die FAZ. 1984 taucht sein Name erstmals im Blatt auf. Der Kunstredakteur habe ihm eine Bildunterschrift zu einer Büste der Königin Christina von Schweden "aufgeschwatzt". Die Arbeit des Hospitanten ist weniger übliche Probierhandlung als mit Gelehrtem aufgeladenes Zeugnis einer Ambition. Schon mit 16 hatte Frank einen "Nano Nunatak" überschriebenen Text an Siegfried Unseld vom Suhrkamp-Verlag geschickt. Der Titel stammte aus dem Fremdwörterbuch: Eskimosprache, mit "Kleiner Eisberg" zu übersetzen, wenn er sich recht entsinne.

Bestechend an der verschämt preisgegebenen Anekdote ist der Mut, der sich darin äußert. Schirrmacher misst sich gern mit anderen, beteiligt sich an "Jugend forscht" mit einer Arbeit zur Entwicklungsgeschichte der Menschen, will Biologie und Mathematik studieren. Im Entdeckerdrang wie viele Kna

ben, deren Eltern mit dem Kosmos-Lehrbaukasten "Mikroskopie" Sohnemanns Interesse diskret in vernünftigere Bahnen lenken wollen.

1985 beginnt Schirrmacher bei der FAZ. Bald tritt er in die Fußstapfen von Literaturchef Marcel Reich-Ranicki. Wohlwollend ruht dabei der Blick seines Förderers Joachim Fest auf ihm. Von dessen Gnadensonne beschienen, erreicht der Jüngling den Gipfel. Seine Mentoren mochten gehofft haben, sie könnten über ihr Medium Einfluss auf die Gazette behalten. Womöglich ließen sie sich von seiner äußeren Weichheit täuschen, der wonneproppenhaften Anmutung. Sie wird gern als Schwäche gedeutet. Ehrgeiz, Talent, raschen Geist, Witz und die ortsübliche Ration Ideologie brachte er mit. Aber gewaltige Verdrängungsmasse hat er auch.

Herlinde Koelbl fotografiert den Unaufhaltsamen 1991 für ihr Buch "Spuren der Macht". Der "junge Brausekopf", wie er schreiben würde, hat den obersten Hemdknopf offen, die Hände umgreifen die Stuhllehne, als vibriere Energie in ihm. Herausforderndes im Blick, lautet die Botschaft "Platz da, Platz da." Stiller Siegerstolz ist nicht zu verkennen. Noch fühlt er sich in der Tradition seiner Überväter, schreibt, nicht immer frei von Gefallsucht und unter stetem Beweisdruck, eigenwillig über das Besondere.

Frau Koelbls späteres Porträt zeigt den Herausgeber 1995 durchdrungen von Bedeutung, verwandelt in einen anderen Menschen. Das "Time Magazine" reihte ihn bereits unter die "Männer des Jahrhunderts" ein. Mit Doppelkinn und Übergewicht ruht er, die Patschhände im Schoß, in sich, wirkt saturiert, lächelt gefährlich - ein Herrschaftsbild wie von einem alten Meister, Hans Holbein zum Beispiel. Von Größegefühl erfüllt schaut er aus, als habe er das Gröbste hinter sich, Rivalitäten, Abwehrkämpfe. Das Dokument betont schön: Ich bin der verwöhnte Prinz, der ich bei meiner Mutter war. Noch während er Fest und Reich-Ranicki huldigt, läuft der lange Abschied von den Überlebensgroßen. Inzwischen gehen sich Fest und "Schi." aus dem Weg, die Beziehung zu Ranicki erschöpft sich eher im Kuriosen. Immer wieder gern erzählt, wie der hypochondrische Doktor Reich-Ranicki bei sich zu Hause dem ihm entsprungenen Zögling Frank die Manschette zum Blutdruckmessen anlegte, bedenklich das greise Haupt wiegte und ausrief: "Au, au, das gefällt mir aber gar nicht, mein Lieber", und seine Frau alarmierte: "Guck mal, Schirrmacher, 250!" Der kaufte sich, schreckensbleich, anschließend selbst ein Messgerät und könnte im Übrigen als Stimmenimitator Geld machen.

Wundersamerweise produziert die Abkehr von den Göttern kein Drama mehr, sondern folgerichtig die neu aufgezogenen FAZ-Seiten. Indem sich Schirrmacher der "Revolution der Biologie" verschreibt, lässt er endgültig die Vergangenheit hinter sich. Die Hinwendung zur Zukunft ist (über das gesellschaftlich Notwendige hinaus) Zeichen der Loslösung, vollendet symbolisch den Vatermord mit modernsten Mitteln. Sie bleiben die Alten, er wechselt die Identität, prägt mit seinem Genom das Blatt stärker denn je. Die instinktive Ausweichbewegung auf ein Terrain, auf das ihm die Leitfossilien nimmermehr folgen können. Dort sucht er sich heute "moralische Autorität".

Nachgeholte Jugend

Wer mit 34 Herausgeber ist, kann schnell als Frühvollendeter gelten. Nach Jahren der Streitkultur hat die Obsession, mit der "Schi." der FAZ die Genetik implantiert, etwas von nachgeholter Jugend: in Eifer, Leidenschaft, Ausschließlichkeit, Irrtum, auch Naivität. Er begeistere sich wie ein Kind, verliere gleich einem Kind auch rasch das Inte

resse am "Spielzeug", schildert ein Beobachter. Nüchtern betrachtet wirkt sein "Laboratorium" so viel aufregender, weil progressive Magazine Auflage mit Titeln über Pharaonengräber machen. Derweil fährt der konservative Avantgardist nach Tallinn und umkreist im bekannt superlativischen Stil Estlands Präsidenten Lennard Meri, der "Europas fortschrittlichstes Gen-Gesetz erlassen hat": "Darwin des Nordens". Das bringt ihm den (albernen) Vorwurf ein, er verkaufe seine "scoops" zu vollmundig.

Zum Erziehungsroman gehören Niederlagen. Auch im Märchen, von einem, der auszog, Schlagzeilen zu machen, fehlt es nicht an Schlappen. Dicke Duz-Freunde schieden als Feinde aus der Redaktion. Konferenzen mit dem Dominator solle man sich nicht durchweg harmonisch ausmalen, wird berichtet. Wenige wurden und werden derart attackiert wie er - von außen, es ist halt leichter, fremde Chefs anzumachen als eigene. Ein namhafter Anti-"Schi."-Club sagt ihm Übles nach, wechselseitig kolportieren Kollegen Ehrenrühriges übereinander. Viele Storys kursieren, die seine Sensiblität im Zwischenmenschlichen in Frage stellen. Aus Selbstschutz wird er gern ironisch, das ist nicht jedermanns Sache. Treue "Schi."-Fans wiederum schwärmen von seinem gewinnenden Charme, bei dieser Bandbreite von Charakterisierungen endet die Recherche zu Pro und Contra unergiebig. Mit Armsündermiene reiht er sich etwas kapriziös unter "Missverstandene" ein, versucht Ruhe zu bewahren und Nehmerqualität zu beweisen, obwohl er persönlich getroffen ist und das Image ziemlich nervt. Jüngst wurden "Wellen" von Abgängen aus seinem Ressort vermeldet, aber in dem Metier besteht eine Welle aus vier Leuten.

Erstaunliche Sympathie

Wahr ist wohl, es gibt ausgeglichenere Temperamente. Hartnäckig haftet ihm der Ruf des Emotionalen und Launischen an. Freundlicher könnte man das Umtriebige natürlich Produktivität nennen. Auf dem Einflussposten gebietet der "Motivator" über das von ihm an Grass erkannte "Imperative Ich", läuft auf der Basis von Stärke durchaus Risiko, will es wissen. Die zum Genre gehörende, womöglich "übersteigerte Eitelkeit" verhehlt er nicht. Es ist anzunehmen, dass just die Rolle des Polarisierers und Provokateurs wichtiger Teil des Erfolgsgeheimnisses in einer von Langweilern dominierten Szene ist.

Bewegt er sich, in Spiegelstrichen, Richtung Mitte? Eben hielt er eine Preisrede auf den Konsens-Kanzler. Auf der Suche nach Verbündeten für die nicht in Schwung gekommene Bio-Debatte schmachtete der Interviewer mit erstaunlicher Sympathie Außenminister Joschka Fischer an, buchstabierte mit ihm das Genom-Alphabet durch, ohne aus dem Politiker schlau zu werden. Er ist enttäuscht: Es sei "historische Schuld" der Grünen, sich nicht genügend um die fundamentale Frage zu bemühen.

Fischers verschlungene Außenseiter-Biografie ist das exakte Gegenbild zu seiner Musterkarriere. Aber beide sind verwandt im Verlangen, bedingungslos bewundert, ja geliebt werden zu wollen. Joschkas Athletik fasziniert auch Jogger "Schi.": Beim Laufen kämpft der Futurist heftig mit der Gegenwart überflüssiger Pfunde.

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