Zeitung Heute : Frauen gehen ins Netz

ANNETTE JÜRGENSMEIER

Wenn es um Computer geht, stellen Frauen gern ihr Licht unter den Scheffel.Viele haben die Chancen der neuen Technologien noch nicht erkannt: Nur 17 bis 30 Prozent aller Internet-Surfer sind weiblich, ergaben Untersuchungen."In den nächsten Monaten und Jahren wird eine neue Internetwelt entstehen.Frauen müssen zusehen, daß es nicht eine Zwei-Klassen-Gesellschaft wird", sagt Babara Bertrang, Präsidentin der Direktion Stuttgart der Deutschen Telekom und Mitglied im Beirat "Frauen geben Technik neue Impulse".Frauen interessieren sich nach den Erfahrungen von Experten im Grunde genauso für das Internet wie Männer."Erst wenn es um technische Finessen geht, schalten sie ab", sagt Andrea Schmidt, Leiterin des Frauen Internet-Treffs an der Landesbildstelle in Stuttgart.Das liege aber oft auch an den Männern."Männer sehen den Computer als ihre Domäne an und sind nicht bereit, ihr Wissen an Frauen weiterzugeben.Auch damit ihre Autorität nicht angekratzt wird", meint Schmidt.Frauen stellen ihrer Erfahrung nach nämlich Fragen, die die männlichen Kollegen nicht unbedingt beantworten können."Bevor sie mit der Antwort ins Stottern kommen, lassen sie gar nicht erst Fragen zu."

In der Grundschule und der Mittelstufe gehen Jungs und Mädchen mit dem gleichen Eifer an die Arbeit am Computer heran."Das ändert sich erst ab der neunten Klasse", hat Schmidt festgestellt.Dann steigen die Jungs intensiv in die Materie ein und bauen schnell einen Wissensvorsprung auf.Die Mädchen fallen dagegen zurück.Eine Antwort darauf sind ab einem bestimmten Alter nach Geschlechtern getrennte Computer-Schulungen."Die Mädchen wollen sich meist nicht mit den Jungs um die Keybords keilen, das kann man ja eigentlich auch verstehen", sagt Bertrang."Egal ob der Standpunkt modern ist: Wir haben festgestellt, daß es in getrennten Kursen und mit Trainerinnen besser läuft", berichtet sie aus der Praxis der Telekom.

Schmidt appelliert auch an die Frauen, ihr Verhalten zu ändern: "Sie müssen mutiger werden und nicht warten, bis jemand auf sie zukommt und ihnen etwas erklärt".Auch männliche Computer-Nutzer hätten sich ihr Wissen über Jahre erarbeitet - auch wenn sie meist weniger Angst vor der Technik hätten.Während für Frauen der Computer ein Hilfsmittel bei der Arbeit ist, sehen Männer ihn als Teil einer faszinierenden Technikwelt.Auch daß es noch zuwenig ansprechende Inhalte gibt, will Schmidt nicht gelten lassen."Je mehr Frauen online gehen, desto mehr wird auch für Frauen angeboten werden."

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