• Frauen machen im US-Wahlkampf Clinton wieder stark Demokratin gewinnt nach Strategiewechsel überraschend gegen Obama

Zeitung Heute : Frauen machen im US-Wahlkampf Clinton wieder stark Demokratin gewinnt nach Strategiewechsel überraschend gegen Obama

Hillary Clinton ist wieder da. Entgegen allen Umfragen setzte sich die ehemalige First Lady in der zweiten Runde der Vorwahlen gegen ihren schärfsten innerparteilichen Rivalen, Barack Obama, durch. Ihrer schweren Schlappe in Iowa, wo sie im Kampf um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten nur auf Platz drei landete, folgte in New Hampshire ein überraschendes Comeback. Das Rennen um die Nominierung als Präsidentschaftskandidat ist damit wieder offen – und Obama ist den „Frontrunner“-Status nach nur fünf Tagen wieder los.

Nach ihrem Gefühlsausbruch Anfang dieser Woche fuhr sie mit 39 zu 37 Prozent den dringend benötigten Sieg ein. 7695 Stimmen Unterschied reichten, um die Demoskopen zu widerlegen. Die Meinungsforscher hatten die 60-Jährige teilweise zweistellig hinter dem 46-jährigen schwarzen Senator aus Illinois gesehen. Ihren Erfolg verdankt Clinton vor allem Frauen. Sie stellten 57 Prozent der Wähler in New Hampshire, bei ihnen lag Clinton 47 zu 34 Prozent vor Obama. In Iowa war das Verhältnis noch ausgeglichen.

Bei den Republikanern meldete sich ein fast abgeschriebener Bewerber zurück: Der 71-jährige Vietnam-Veteran John McCain landete fünf Punkte vor dem Ex-Gouverneur von Massachusetts, Mitt Romney. Der Baptistenprediger und Überraschungssieger von Iowa, Mike Huckabee, wurde abgeschlagen Dritter.

In beiden Parteien ist der Wettstreit um die Präsidentschaftskandidatur damit wieder offen. Mit einer Vorentscheidung wird am 5. Februar, dem „Super Tuesday“, gerechnet. Dann stimmen die Menschen in 22 Bundesstaaten ab, wer für die Demokraten und wer für die Republikaner in das Duell im November um die Nachfolge George W. Bushs gehen soll.

„Ich habe Euch zugehört und dabei habe ich meine eigene Stimme gefunden“, rief Clinton ihren jubelnden Anhängern in Manchester zu. „Ich habe das Gefühl, dass wir alle unsere Herzen sprechen ließen.“ Nun „erbitte ich für ganz Amerika das Comeback, das New Hampshire mir gegeben hat“. Die Senatorin aus New York hatte zuletzt eine menschlichere Seite gezeigt. Zuvor litt sie unter dem Ruf, kühl und berechnend zu sein. Nach ihrer Niederlage in Iowa war sie bei Auftritten auch mal wütend, mal den Tränen nah. Der Strategiewechsel nutzte ihr bei Frauen, sagen Experten. Auffallend umgab sich Clinton diesmal mit Jung- Wählern nach ihrem Sieg. In Iowa hatte die 70-jährige Ex-Außenministerin Madeleine Albright mit auf der Bühne gestanden, die Botschaft hieß: Erfahrung.

Barack Obama hielt eine kämpferische Rede nach seiner Niederlage. „Ich bin weiter Feuer und Flamme und bereit loszulegen. Es geschieht etwas mit Amerika. Wir sind bereit, das Land in eine neue Richtung zu führen.“ Obama möchte erster schwarzer Präsident werden, Clinton die erste Frau an der Spitze.

Das Augenmerk richtet sich nun auf Michigan, Nevada, South Carolina und Florida, wo noch im Januar Vorwahlen anstehen. South Carolina wird zu einer Machtprobe zwischen Clinton und Obama. Beide hoffen dort auf die Stimmen der Schwarzen. Sie stellen die Hälfte der Wähler der Demokraten, sofern sie zur Wahl gehen. Hillarys Mann Bill Clinton genießt hohes Ansehen unter Schwarzen. Obama ist der erste Afroamerikaner mit Siegchancen im Rennen um das Weiße Haus.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben