Zeitung Heute : Frauen-Power

SILVIA HALLENSLEBEN

Daß wir uns mit Mühen durch das Leben kämpfen müssen, daran haben wir uns in den Jahrtausenden seit der Vertreibung aus dem Paradies langsam und schmerzhaft gewöhnt.Auch im Kino muß das Glück oft hart erarbeitet werden.Ein kleines Ausnahmewunder also, wenn die Dinge sich einfach übermütig überschlagen und wir dürfen da sitzen und einfach nur staunen.Ein andalusisches Volksmädchen soll die Vorlage zu "Keid Ensa" sein, der so verwegen bunt daherkommt, als wäre er einer multikulturellen tausendundzweiten Nacht entsprungen.

Ein Sultanspalast also.Ein Prinz.Und die schöne Kaufmannstochter von nebenan, deren vorwitziges Näschen auf dem Balkon in den Basilikumsprossen schnuppert.Dabei steht doch der Prinz schon hinter den Schlagläden mit dem goldenen Fernrohr im Visier.Der Prinz ist eitel und er liebt die Frauen.Doch ihn quält eine schreckliche Frage, nämlich, ob etwa auch über dem Busen intelligentes Leben existiert? Lalla Aicha, die Kaufmannstochter, ist ein unschuldiges Ding, doch keineswegs auf den Mund gefallen.Der praktische Beweis pro.Also hält der Prinz erst um ihre Hand an und sperrt sie dann ins Verlies, wo sie eingestehen soll, daß die List der Männer die der Frauen ürsteigt.Aicha ist stur.Und sie macht ihre Thesen praktisch wahr, indem sie den Prinz an seiner Eitelkeit herumführt.Die marrokanische Regisseurin Farida Benlyazid ihrerseits nutzt die propagierte Weiberlist selbst: Auch ihr Märchen ist hinter dem Mäntelchen der moralischen Erzählung eine an Bilderlust überschäumende Hymne an die Phantasie, die Sinnlichkeit und, wie selbstverständlich, die Macht der Frauen.

Heute 11 Uhr (Delphi)

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