Zeitung Heute : Freie Wohnungsunternehmer sagen wegen mangelnder Investitionen ab 2003 gesteigerten Bedarf voraus

wik

Einen steigenden Bedarf an Wohnungsbau und Büroflächen sieht der Vorsitzende des Landesverbandes Freier Wohnungsunternehmen Berlin/Brandenburg (LFW), Klaus Groth, auf Berlin zukommen. Ab 2003 werde es zu Engpässen auf diesem Markt kommen, prophezeite Groth bei der Vorstellung der Jahresbilanz seines Verbandes.

Ein enttäuschter Klaus Groth war vor die Presse getreten. Bei den Verhandlungen zur Bildung des Senats seien die Fachverbände der Wohnungswirtschaft in den Arbeitsgruppen nicht hinzugezogen worden, sagte der Vorsitzende des LFW. "Dies ist noch nie vorgekommen", grollte Groth. Die Politik machte Groth denn auch für die Situation der freien Wohnungsunternehmen verantwortlich, und die ist schlecht. Von 1997 haben sich die Investitionen der Mitglieder des Verbandes von 15,4 Milliarden Mark auf 8,1 Milliarden Mark fast halbiert. "Das ist schon dramatisch", sagte Groth. Dementsprechend sank die Zahl der neu gebauten Wohnungen. Bauten die freien Unternehmer 1997 noch 20 800 Wohneinheiten, so waren es im laufenden Jahr nur rund 6700. Für das Jahr 2000 sagt der Verband einen weiteren Investitionsrückgang auf 7,9 Milliarden Mark voraus. Ursache dieser Entwicklung ist laut Groth der Wegfall steuerlicher Anreize, die rigorose Kürzung des sozialen Wohnungsbaus und die Privatisierungpolitik der Wohnungsbaugesellschaften. Der Versuch der Gesellschaften, Wohnungen zu jedem Preis zu verkaufen, komme ihrer Plünderung gleich, so der Vorstandsvorsitzende. Wegen den trägen Investitionen sieht Groth einen Mangel an Wohnungen und Büros auf Berlin zukommen. Der im Stadtentwicklungsplan des Senats prognostizierte Bedarf an 13 000 Neubauwohnungen pro Jahr sei nicht zu erreichen. Ab dem Jahr 2003 werden laut Groth die Überkapazitäten aufgebraucht sein und Engpässe auftreten. Schon jetzt gebe es im innerstädtischen Bereich einen Mangel an großen Wohnungen und zu wenig Bürofläche in den sogenannten 1-A-Lagen. "Dort werden schon 50 Mark und mehr pro Quadratmeter gezahlt", sagt Groth.

Von der Politik verlangte der LFW-Vorsitzende einen aktualisierten Katalog für bebaubare Grundstücke sowie eine bessere Zusammenarbeit mit der Wirtschaft. So müsse es einen privat gemanagten Immobilienfonds für landeseigene Flächen geben. Als einen Schritt in die richtige Richtung bewertete Groth die Zusammenlegung der Ressorts Wohnen, Bauen, Stadtentwicklung und Verkehr. Diese könne die ewigen Blockaden in diesen Bereichen beenden.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar