Zeitung Heute : Freispruch für Gartzer Amtsdirektor

Der Tagesspiegel

Von Claus-Dieter Steyer

Frankfurt (Oder). Der frühere Direktor des Amtes Gartz in der Uckermark, Hartmut Wohlthat, ist am Dienstag vom Vorwurf der Korruption und Bestechlichkeit freigesprochen worden. Das Landgericht Frankfurt (Oder) folgte mit dem Urteil dem Antrag der Verteidigung. Die Staatsanwaltschaft hatte eineinhalb Jahre Haft auf Bewährung gefordert. Sie warf dem Politiker aus der Uckermark vor, er habe sich von einer Windkraftfirma mit 24 000 Mark bestechen lassen.

Zuvor hatte Staatsanwalt Thomas Meyer eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten gefordert, weil die Schuld Wohlthats eindeutig erwiesen sei. Für die beiden Geschäftsführer einer Windparkfirma, von denen der Beamte im Frühjahr vorangegangenen Jahres 25000 Mark Schmiergeld angenommen haben soll, verlangte der Staatsanwalt jeweils ein Jahr und zwei Monate Haft, ebenfalls ausgesetzt zur Bewährung.

Der 47-Jährige Hartmut Wohlthat brach auch gestern sein Schweigen im Gerichtssaal nicht. Er wolle später „auspacken“, sagte er zu den Journalisten.

Wie stets lächelte er durch seine dunkle und modische Sonnenbrille. Der als „Sunnyboy der Uckermark“ betitelte CDU-Politiker inszenierte wie immer seinen Auftritt im eleganten Zwirn. Vom Hausmeister hatte sich der Frauentyp, der auch als Hobby-Diskjockey über die Dörfer fuhr, zum hauptamtlichen Chef eines aus 20 Orten gebildeten Verwaltungsamtes hochgearbeitet.

Nur an den ersten beiden Prozesstagen gelang ihm die gewünschte weltmännische Nummer nicht ganz. In Handschellen kam er direkt aus der Untersuchungshaft in den Gerichtssaal. Erst nachdem die Kronzeugin der Anklage ausgesagt hatte, wurde der Haftbefehl aufgehoben. Es bestehe keine Gefahr mehr, dass der Angeklagte „unlauteren Einfluss auf die Frau“ nehmen könne, erklärte der Richter.

Jene 30-jährige Frau wagte sich nur unter Polizeischutz aus ihrer Heimatstadt nach Frankfurt. Die Mafia würde sie bedrohen, erklärte Aneta M. Nach deren Angaben war das Schmiergeld in Höhe von 25 000 Mark über ihr in Deutschland laufendes Konto gelaufen. „1000 Mark durfte ich als Lohn behalten“, sagte sie. Das Geld war demnach als Gegenleistung für den Einfluss des Amtsdirektors in der kleinen Gemeinde Schönfeld bestimmt. Schon 1997 hatte sich hier ein niedersächsisches Unternehmen fü r Windkraftanlagen die Option für ein Millionengeschäft gesichert. 16 Anlagen sollten aufgestellt werden. Es gab zwar keinen Beschluss des Gemeinderats, aber bereits Nutzungsverträge der Grundstückseigentümer mit den Niedersachsen. „Plötzlich hat uns Herr Wohlthat massiv gedrängt, den Zuschlag an eine von ihm favorisierte Energiefirma zu erteilen“, erklärte der Schönfelder Bürgermeister Axel Becker vor Gericht. Die Konditionen der Konkurrenten hätten sich nicht voneinander unterschieden.

Als im August 2000 die Gemeindevertreter abstimmen sollten, müssen sich merkwürdige Dinge abgespielt haben. Wie der Bürgermeister berichtete, sei Amtsdirektor Wohlthat erstmals im Ort aufgetaucht und habe gleich drei der vier Abgeordneten vor die Tür geschickt. Sie seien befangen, weil sie als Grundstückseigentümer vom Geschäft profitieren könnten. Am Ende stimmte ein einziger Gemeindevertreter ab - zugunsten der von Wohlthat gerühmten Firma. Die polnische Zeugin Anete M. zeigte den Amtsdirektor schließlich an. Sie habe ihn über eine Anzeige im „Stettiner Kurier“ kennengelernt und ihm bei der Geschäftsführung eines Restaurants im Ostseebad Kolberg geholfen.

Das Gericht konnte die Zeugin offenbar nicht überzeugen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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