Zeitung Heute : Frenetische Africa-Fiesta

ROMAN RHODE

Sam Mangwana mit Kongo-Rumba bei den "Heimatklängen"Überall dort, wo die musikalische Afro-Cuban-Connection neu aufgelegt wird, treten Musiker aus Zaire in den Vordergrund: Juan Luis Guerra holte sich den Gitarristen Diblo Dibala in seine Band, und in Los Angeles triumphierte der Sänger Ricardo Lemva mit seinem Projekt Makina Loca.Klirrender Gitarrensound und rauchig-näselnde Stimme bringen der kubanischen Tanzmusik afrikanisches Flair zurück, das Kolorit ihrer ursprünglichen Heimat.Sam Mangwana, der seinen Landsmann Lemvo tatkräftig unterstützt und mit den berühmten Salsa-Musikern der Fania All-Stars zusammengearbeitet hat, schlägt allerdings die entgegengesetzte Richtung ein: er verleiht der zentralafrikanischen Musik eine kubanische Note.Sein Vorhaben bezeichnet er schlicht als "Rumba Music" und der Slogan dazu: Viva Africa! Daß Mangwana nun bei den Heimatklängen auftritt, ist eine kluge Idee.Er hat nicht nur eine glänzende Karriere in Zaire hinter sich, sondern galt und gilt auch als der vornehmste Sänger kubanischer Lieder in Afrika.In West- und Zentralafrika hat kubanische Musik seit den vierziger Jahren Furore gemacht: Tanzorchester von der Zuckerinsel, allen voran das Cha-Cha-Cha-Ensemble Orquesta Aragón, tourten durch die Region, in den siebziger Jahren kamen die Fania All-Stars dazu, mit Johnny Pacheco und Celia Cruz.Im Tempodrom aber setzt Sam Mangwana die rhythmishen Akzente des Cha-Cha-Cha nicht, wie sonst üblich, durch den schrappenden Guiro, sondern läßt die Baßtrommel eines violenten Schlagzeugs und zwei Saxophone sprechen.Kubanische Musik arrangiert er afrikanisch: die helltönigen elektrischen Gitarren übernehmen Chorgesang und Piano-Riffs der alten conjuntos, der Takt der harten Klanghölzer wirkt weicher - so auch der Gesang von Mangwana selbst: seine Improvisationen der décimas lösen sich federleicht vom Rhythmusgerüst der Band und wehen wie eine sanfte Brise durch Palmblätter. Schließlich die Rumba: in kubanischer Spielart ist sie markant und schroff; bei Mangwana kommt sie durch das Schlagzeug zum Swingen.Sam Mangwana, der wegen seiner unablässigen musikalischen Studienreisen auch "Pigeon Voyager" genannt wird, verwandelt das kubanische Repertoire mitsamt der Rumba in eine frenetische Africa-Fiesta, ohne dabei dem kommerziellen Pariser Soukous zu verfallen - also "Afrocubanisimo" bei den Heimatklängen.ROMAN RHODE Tempodrom, heute und morgen ab 21.30 Uhr, Sonntag ab 16 Uhr.

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