Zeitung Heute : Friedbert Pflüger?
„Namen sind Nachrichten“, besagt ein ehernes Gesetz im Journalismus. Friedbert Pflüger (CDU) könnte nach der Wahl vielleicht Nationaler Sicherheitsberater einer Bundeskanzlerin Angela Merkel werden. Wäre das eine gute Nachricht? Wir überprüfen täglich die Amtstauglichkeit eines Spitzenpolitikers – bis zur Wahl.
AMT: Nun, das Amt gibt es so noch nicht, jedenfalls nicht in Deutschland. Es überhaupt einzurichten, wäre so etwas wie ein demonstrativer Akt. Wenn Angela Merkel tatsächlich, nach US-Vorbild, den Posten eines Nationalen Sicherheitsberaters schaffen sollte, dann nicht nur als schlichte Koordinierungsstelle zwischen Kanzleramt und Außenministerium, sondern auch als überaus deutlich zu verstehenden Hinweis, dass sie die Außenpolitik zur Chefsache erklärt sehen will.
Es geht um Machterweiterung, um den Zugriff auf eine Domäne, die nicht ohne weiteres einem liberal oder gar christsozial geführten Außenministerium überlassen bleiben sollte. So wird es, soviel ist sicher, noch Ärger um diesen Posten geben. Ein anderer Plan der Union, nämlich die Europapolitik im Kanzleramt anzusiedeln, stieß bereits auf erheblichen Unmut in der FDP.
Was den Nationalen Sicherheitsberater angeht, so liegt der Gedanke so fern nicht, dass die auf internationalem Parkett eher ein wenig ungeübte und manchmal auch ungelenk auftretende CDUParteichefin dazu auf einen Vertrauten zurückgreift; auf einen, der bislang schon des Öfteren als außenpolitischer Einflüsterer mitgereist ist: Friedbert Pflüger, wie Merkel auch seit 1990 im Bundestag und mittlerweile außenpolitischer Sprecher der Unionsfraktion, ist dieser jemand.
Sein in dieser Hinsicht spektakulärster Auftritt geht auf das Frühjahr 2003 zurück, als Pflüger seiner Parteichefin bei einem Solidaritätsbesuch in den USA sekundierte. Damals ging es darum, sich in Sachen Irak ostentativ vom Anti-KriegsKurs der Regierung Schröder abzusetzen. Das gelang. Es schafft heute allerdings ein paar Probleme, weil Merkel mittlerweile behauptet, auch unter einer von ihr geführten Regierung wären deutsche Soldaten nicht in den Irak marschiert. Nun ja.
Auch ein anderer Auftritt hat Spuren hinterlassen. Bei einem Besuch der französischen Nationalversammlung in Paris hat sich Pflüger seinen Gegenübern mal mit übertrieben frankophonem Zungenschlag als „Fribäär Flügäärr“ vorgestellt. Noch heute ist er deshalb in den Augen Joschka Fischers der Prototyp des engagierten Dilettanten.
AMBITIONEN: Ja, der Ehrgeiz des 50-jährigen Pflüger, der es schon in jungen Jahren als Sprecher von Bundespräsident Richard von Weizsäcker zu einem ordentlichen Bekanntheitsgrad gebracht hat, ist bekannt. Seine Eitelkeit auch. Mit beidem steht er sich gelegentlich selbst ein wenig im Weg, auch in der CDU geht er damit so manchem auf die Nerven. Aus jenen jungen Tagen, in denen er von der Nähe zu Weizsäcker geprägt wurde, rührt übrigens eine gewisse Liberalität.
In der Union wird einem das nicht immer unbedingt als Tugend ausgelegt. Pflüger selbst erinnert sich an Zeiten, in denen er sich in seiner Landesgruppe mitunter so als Außenseiter fühlte, „wie in den siebziger Jahren als RCDS-Student an der von Linken dominierten Göttinger Universität“. Ja, des Öfteren war er Grenzgänger, doch dabei stets zu einer gewissen Weltläufigkeit neigend und – wenn nötig – auch dabei schon mal Willy Brandt zitierend: „Der Frieden ist nicht alles, doch ohne Frieden ist alles nichts“ – aber sein Ziel, stetig ein paar Sprossen auf der Bedeutungsleiter hinaufzuklettern, hat er dabei nie aus den Augen verloren. Nach dem 18. September soll ein nächster Schub für ihn kommen, damit rechnet er schon fest. Auf Pflügers Homepage läuft die Uhr rückwärts bis zum Regierungswechsel: Da kann es einer kaum erwarten.
AUSSICHTEN: Eigentlich gibt es in der Union ja einen in jeder Hinsicht strategisch denkenden Kopf von höchster Güteklasse: Wolfgang Schäuble. Erfüllen sich dessen außenpolitische Ambitionen, geriete das schöne Gedankenkonstrukt um den Sicherheitsberater ins Wanken. Pflüger müsste dann ein wenig aus dem engeren Dunstkreis Merkels hinaustreten, auch das Entwicklungshilfeministerium gilt als eine für ihn in Frage kommende Adresse. Doch Schäubles Chancen auf das Außenamt sind so groß nicht. Und kenntnisreiche Außenpolitiker sind in der Union eher rar gesät. Es wird sich also schon was Repräsentatives finden für den ehrgeizigen Mann aus Hannover.
WAHRSCHEINLICHKEIT:





