Zeitung Heute : Frings für Frings

JOST MÜLLER-NEUHOF

Fernsehen auf der Bühne: Eine Talkshow im ChamäleonKameras beeindrucken, ein Publikum beeindruckt offenbar weniger.Noch ein Zupfen am Rock und rasch an der Frisur gefingert, dann mit ciceronischem Eifer Reden schwingen, druck-, sende- und zudem wiederholungstauglich: auf der Bühne, unplugged sozusagen, wirkt solcher Perfektionismus peinlich.Da werden kleine Gesten groß, lange Reden kurz und Gesichter tief, wo das Fernsehen sie in die Breite tritt.Aus diesem Blickwinkel muß man dem früheren "liebe sünde"-Moderator Matthias Frings gratulieren, die Talkshow aus dem Flachland der TV-Schwatzrunden auf das - so sie ihr eigenes hat - Niveau der Bühne heraufzuführen. Zu seinem monatlichen Programm "Mein Abend für...", am Montag abend zum zweiten Mal im Chamäleon, hatte Frings die 1995 demittierte Bundesjustizministerin und heutige Abgeordnete Sabine Leutheusser-Schnarrenberger gebeten, ein Glücksfall, denn jemand der mit Herz und Verstand gleichermaßen Rede und Antwort steht, dürfte auch für ein Bühnengespräch schwer zu finden sein.Die reale Hühnenhaftigkeit des Kanzlers, erfuhren wir, flößt ihr auch Ehrfurcht ein, wenn der Riese sitzt - aber sein Amt, das hätte sie trotzdem gern. Mit soviel gebündeltem Selbstvertrauen zu plaudern, bereitete Frings sichtlich Freude.Weitere Gäste, die nach seinem Konzept "etwas mit Lebensweg oder Eigenschaften des Hauptgastes zu tun haben", ergänzten die Runde.Eine Hellseherin war da, ein Knastbruder und die Sängerin und Schauspielerin Maren Kroymann.Was verbindet eigentlich die mit der Politikerin? Egal, irgendwann ging es ohnehin vordringlich um schwules Outing und berühmte Lesben.Das war dann mehr "Matthias Frings: Mein Abend für Matthias Frings".JOST MÜLLER-NEUHOFMatthias Frings: "Mein Abend für..." Ulrike Folkerts, am 19.Mai im Chamäleon

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