Zeitung Heute : Frohnau ist gut im Geschäft

Mit ihrem Engagement für den Ortsteil haben es die Ladenbesitzer geschafft, die Kunden im Kiez zu halten

Rainer W. During

Die Kaufkraft sinkt, die großen Center locken – wie hält man die Kunden im Kiez? Ingo Grosse, Inhaber eines Modehauses am Maximiliankorso, ist optimistisch: „Wir sind noch gut im Geschäft“, sagt der Vorsitzende der Interessengemeinschaft Frohnauer Geschäfte, die sich mit einer Vielzahl von Aktivitäten um Käufertreue müht. Der Erfolg gibt den Ladenbesitzern Recht. 57 Prozent der befragten Kunden decken ihren täglichen Bedarf im Ortsteil, 87 Prozent sind mit dem Warenangebot zufrieden. 17314 Einwohner zählt Reinickendorfs nördlichster Ortsteil, und praktisch allen gefällt es hier. Fast 97 Prozent der Befragten sagen, dass sie sich in Frohnau wohl oder sogar sehr wohl fühlen. Das mag ein Grund für den Einkauf um die Ecke sein. „Wir haben einen großen Anteil von Stammkunden, denen es wichtig ist, hier einzukaufen“, sagt Grosse. Die Leute würden Fachgeschäfte und persönliche Beratung zu schätzen wissen. Auch ansonsten scheint die Welt im Berliner Norden noch in Ordnung zu sein. Der IG-Vorsitzende spricht von einem „tollen Miteinander“ zu Behörden und anderen Institutionen wie Bezirksamt, Grundbesitzerverein und Kirchengemeinde.

Die rund 50 Mitgliedsunternehmen decken fast die gesamte Warenpalette ab, obwohl einige alteingesessene Unternehmen in der Vergangenheit aufgeben mussten. Die meisten Läden haben sich am Ludolfinger- und am Zeltinger Platz sowie in den hier abzweigenden Straßen angesiedelt. Dank der erfolgreichen Bemühungen der Interessengemeinschaft um Kurzzeitparkplätze finden die Kunden hier auch wieder Stellplätze für ihre Fahrzeuge. Die waren zuvor oft von Pendlern aus Brandenburg blockiert, die erst am Bahnhof Frohnau auf die S-Bahn wechseln, um den teureren Umlandtarif zu sparen. Gescheitert sind dagegen bisher auch in Frohnau die Bemühungen um einheitliche Öffnungszeiten der Geschäfte.

„Unsere beiden Plätze sind einmalig in Berlin“, betont Grosse. Kastanienbäume, Laubengänge und Springbrunnen laden zum Verweilen ein. Das Grünflächenamt habe viel getan, um die Anlagen wieder in die ursprüngliche Form ihres Schöpfers, des Gartenarchitekten Ludwig Lesser, zu versetzen.

Mit viel Eigeninitiative bemühen sich die Geschäftsleute, die Attraktivität des Ortsteils zu steigern. Der verkaufsoffene Sonntag am 4. September wurde von einem kunsthandwerklichen Wochenende begleitet. Und jetzt steckt man schon voll in den Adventsvorbereitungen. Beim traditionellen, kunsthandwerklichen Weihnachtsmarkt am 3. und 4. Dezember auf dem Zeltinger Platz setzt man wieder auf hohe Qualität und beschauliche Ruhe. „Keine Bühne, keine Besäufnisstände“, verspricht der IG-Vorsitzende. Auch bestehende Lücken in der Festbeleuchtung sollen geschlossen werden. Der Wunsch, rund zwei Dutzend Bäume stimmungsvoll zu illuminieren, wird allerdings wohl vorerst an den Kosten scheitern. Grosse hofft, potenziellen Sponsoren in diesem Jahr zumindest einen Musterbaum präsentieren zu können.

Seit rund 15 Jahren gibt die Interessengemeinschaft eine eigene Kundenzeitung heraus. Eine Neuheit ist der Geschenkgutschein, der in 46 Geschäften und Betrieben der Gartenstadt gilt. Und zum Advent soll die „Frohnauer Tüte“ auf den Markt kommen. Sie trägt die Aufschrift „Frohnau, Shopping & Service“ sowie die Internet-Adresse www.frohnau-berlin.de. Auf der Rückseite können Ladenbesitzer ihre individuelle Werbung in ein Klarsichtfach einschieben.

Große Hoffnung setzen die Frohnauer Ladenbesitzer auch in die Präsentation der neuen Zentreninitiative von IHK und Stadtentwicklungsverwaltung am 31.Oktober. In diesem Jahr hatte man sich mit dem Konzept „Frohnau, Gartenlust & Kunstgenuss“ nicht unter den geförderten Kiezprojekten im Rahmen der Aktion „Mittendrin-Berlin“ platzieren können. Jetzt soll ein neuer Anlauf gestartet werden.

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