Zeitung Heute : Frust durch Frost

Leitungswasserschäden verursachen bei der Wohngebäude- und Hausratversicherung die höchsten Kosten – und jede Menge Ärger

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Zugefrorene Wasserrohre in der Wohnung gehören zum Winter wie das Glatteis auf den Straßen. Wer muss sich darum kümmern, dass das Wasser wieder läuft, und – ebenso wichtig: Wer bezahlt den Schaden?

Wenn „alles fließt“, nur das Wasser in den Leitungen nicht, ist es im Regelfall Sache des Vermieters, für Abhilfe zu sorgen. Das gilt natürlich dann nicht, wenn den Mieter die Schuld an der Misere trifft. Beispielsweise weil er ungenügend geheizt hatte oder in Urlaub gefahren ist, ohne für solche Fälle vorzusorgen.

Mieter sind naturgemäß (noch) „näher am Objekt“ als ihr Vermieter. Dies auch mit Blick auf Versicherungsansprüche. Ist durch ein zugefrorenes Rohr ein Schaden an der Leitung entstanden, was nach dem Auftauen zu einer Überschwemmung geführt hat, so treten zwar die Hausratversicherung beziehungsweise die Wohngebäudeversicherung ein. Leistungen könnten allerdings verweigert werden, wenn es deshalb zu dem Schaden gekommen ist, weil unzureichend geheizt wurde.

Um leer stehende Eigentumswohnungen oder Häuser haben sich die Eigentümer zu kümmern. So hat das OLG Frankfurt am Main einem Hauseigentümer sogar für den Fall den Schutz seiner Wohngebäudeversicherung versagt, der seine leer stehende Immobilie für die Dauer seines Urlaubs dadurch vor Frostschäden gesichert hatte, dass die Heizungsanlage auf „5 Grad plus“ eingestellt wurde. Es kam trotzdem zu einem Wasserschaden, weil die Technik versagte. Das Gericht: Der Hausherr hätte entweder das Wasser aus allen Rohren ablaufen oder das Gebäude „kontrolliert beheizen“ lassen müssen (AZ: 14 U 104/04). Auch das LG Berlin entschied in einem ähnlichen Fall zugunsten der Wohngebäudeversicherung (AZ: 7 O 527/03).

Achten müssen Hausbesitzer nun auch auf ihre Kellerräume. Häufig steht in der Waschküche ganzjährig das Fenster auf, damit Feuchtigkeit und Dunstschwaden abziehen können. Rüdiger Mattis, Vorstandsmitglied des Verbandes Privater Bauherren, mahnt zur Vorsicht: „Wenn die Temperatur unter den Gefrierpunkt sinkt, können Wasserrohre platzen. Wer verreist, der sollte die Heizung auf keinen Fall zu weit herunterdrehen. Sechzehn Grad sollten auch im vorübergehend unbewohnten Heim immer herrschen.“ Grundverkehrt ist es, die Heizung nachts abzustellen. Dann sinkt die Temperatur gefährlich ab. Schlecht isolierte Leitungen können einfrieren, beispielsweise im Keller oder im Dachgeschoss.

Sollte ein Rohrbruch in der Nachbarwohnung (oder im Nachbarhaus) zu einer Überschwemmung geführt haben, so kann auch noch die Haftpflichtversicherung des Nachbarn ins Gespräch kommen. Friert ein Mieter nicht deshalb, weil die Heizung defekt ist, sondern weil der Hausbesitzer an Öl oder anderer Energie gespart hat, dann kann die Miete ebenfalls gekürzt werden, im Extremfall um 100 Prozent. Das setzt jedoch zeitaufwendige Kontrollmessungen durch den Mieter voraus, möglichst unter Zeugen – von den damit verbundenen Beweisschwierigkeiten ganz abgesehen.

Kein anderer Schaden verursacht bei der Wohngebäude- und Hausratversicherung höhere Kosten und größere Unannehmlichkeiten als der Leitungswasserschaden. Die deutschen Versicherer verzeichneten im Jahr 2008 rund 1,3 Millionen solcher Schäden – viele verursacht durch Frost, etwa durch geborstene Rohre. Für die Reparaturen wurden nach Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) 1,9 Milliarden Euro an die Versicherten gezahlt. Wolfgang Büser

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