Zeitung Heute : „Für Deutschland ist das fatal“ Unternehmensberater Berger fühlt sich diffamiert

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ROLAND BERGER (65)

ist Unternehmensberater und Ratgeber

der Bundesregierung.

Foto: R/D

Herr Berger, überrascht Sie die Kritik der CDU an öffentlichen Aufträgen für Berater und speziell für Ihr Unternehmen?

Ja, vor allem die Einseitigkeit der Kritik und die CDU als Urheber der Kampagne. Das passt doch nicht zu ihren marktwirtschaftlichen Prinzipien, die Abbau von Bürokratie und Staatsquote fordern. Schon Helmut Kohl hat eine Kommission schlanker Staat eingerichtet, deren Mitglied ich war. Dazu passt auch nicht, dass die CDU-Führung selbst Berater von McKinsey in Anspruch nimmt und diese in Kompaniestärke bei der Herzog-Kommission eingesetzt hat, was sogar Herr Seehofer kritisierte.

Also alles nur Wahltaktik?

Herr Austermann und seine CDU-Kollegen messen mit zweierlei Maß. Sie reden über Roland Berger und sparen bei ihren Angriffen den ihnen nahe stehenden Berater aus, obwohl McKinsey in der Hartz-Kommission Mitglied war und mehr Aufträge von der Bundesanstalt bekam als wir.

Werden Sie sich deshalb künftig von Kommissionen fern halten?

Nein, so leicht sind wir nicht einzuschüchtern. Uns geht es darum, einen Beitrag zu leisten, um Bürokratie abzubauen und Steuergelder zu sparen. Dafür werden wir uns weiterhin in Kommissionen einsetzen – wie bisher ohne Honorar.

Genau das glauben ihnen die Leute aber nicht.

In einer Kommission leisten 25 Personen unter kompetenter Leitung Sacharbeit, Beratungsaufträge werden nicht definiert. Kommissionsmitglieder bringen Wissen ein und erwerben nicht erst Know-how durch die Kommission. Wenn wir weiterhin kompetente Teilnehmer für Kommissionen gewinnen wollen, dürfen wir ihren Firmen das Themenfeld nicht gleichzeitig für Beratung verschließen. Außerdem werden Beratungsaufträge nicht von Kommissionen, sondern von den zuständigen Ministerien und Behörden ausgeschrieben und vergeben.

Schadet diese Diskussion Deutschland?

Als Folge dieser Kampagne werden Minister und Behördenchefs aus Angst vor Diffamierung notwendige Beratungsaufträge verschieben oder gar nicht erteilen. Das wäre fatal. Denn Deutschland braucht eine Reform seiner öffentlichen Verwaltung.

Das Gespräch führten Martin-W. Buchenau und Joachim Hofer, HB.

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