Zeitung Heute : Für Pufferküsser und Science-Fiction-Fans

KURT SAGATZ

Die Nähe ist eher zufällig, denn zwischen der Eisenbahnstadt Berlin und den "Godzilla"-Monsterfilmen lassen sich auch mit viel Mühe sonst kaum nennenswerte Verbindungslinien herstellen.Mit einer Ausnahme allerdings, denn daß gerade diese beiden Themen auf der Berliner Internet-Site www.epilog.de so dicht beieinander stehen, hängt im wesentlichen mit den Interessen von Ronald Hoppe und Bernhard Kempen, den beiden Machern des Internet-Angebotes, zusammen.Für sie ist Epilog ein Medium sowohl über die Medien als auch über Kultur, Geschichte und Technik, eine "Enzyklopädie der populären Medien", wie sie es nennen.

Ihr Ziel ist es, die zahllosen Verknüpfungen innerhalb ihrer Interessensgebiete aufzuzeigen.So stand am Anfang des Godzilla-Bereichs eine einzelne Besprechung der Tristar-Neuverfilmung.Schnell stellten Hoppe und Kempen allerdings fest, daß es über den Film weit mehr zu erzählen gäbe, als zum Beispiel in einer Zeitung oder einer Filmzeitschrift allein aus Platzgründen möglich ist.Im Internet stellt Platz kein Problem dar, hier ist die Ordnung der limitierenden Faktor.Mit dem geschickten Einsatz von Hyperlinks läßt sich auch dieses Problem ohne weiteres lösen.

Inzwischen wird in Epilog.de die komplette Geschichte des japanischen Monsterfilm-Genres nacherzählt, wiederum mit Verweisen zu Autoren oder Regisseuren.Allein die vielen eingescannten Original-Plakate zu Filmen wie "Frankensteins Monster jagen Godzillas Sohn" oder "Die Brut des Teufels: Konga, Godzilla, King Kong" lassen einen angenehmen Schauer über den Rücken laufen.

Neben Filmen wie Godzilla oder Sphere - an den sich wiederum ein umfangreiches Unterangebot zu Michael Crichton anschließt - werden von den beiden Berlinern mittlerweile auch eine Reihe von Fernsehserien mit Science-Fiction-Hintergrund begleitet.Bereits im Netz ist eine Abhandlung zur RTL-Serie "Sliders", die von Menschen in Parallelwelten handelt.Für Fans der Sendung empfiehlt sich vor allem der Episodenführer, der auch darüber informiert, wann die einzelnen Folgen der insgesamt drei Staffeln im US-Fernsehen liefen.Als eines der nächsten Projekte wird die "Time-Tunnel-Serie" von Pro 7 online gestellt.Spannend dabei sei unter anderem, so Bernhard Kempen, wie der Regisseur für diese Serie bei seinen eigenen Filmen abgekupfert habe, was online durch entsprechende Links belegt werden soll.

Von der Gattung her gehört Epilog.de zu den E-Zines, den elektronischen Magazinen.Der bekannteste Vertreter ist sicherlich Wired, das zuerst nur im Netz und später auch in gedruckter Form veröffentlicht wurde und durch die Brillanz der Autoren sowie den unkonventionellen Gebrauch grafischer Stilmittel auf sich aufmerksam machte.Von seiner Bedeutung her ist Epilog.de nicht mit Wired zu vergleichen, doch auch das amerikanische Kultmagazin hat für den Erfolg kämpfen müssen.

Ein Ausweis für den Erfolg des Berliner Internet-Magazins sind die Abrufzahlen.Immerhin 400 Visits verbucht die Web-Site täglich, mit einer Steigerungsrate von derzeit 20 Prozent pro Monat - durchaus beachtliche Zahlen für ein Angebot, das erst seit einem Jahr im Netz steht.

Mit ein Grund für das rege Interesse der Onliner ist sicherlich die Verbundenheit mit den Eisenbahn-Fans, die auf Epilog.de ein fast unerschöpfliches Archiv mit zahlreichen Illustrationen vorfinden.Auch an der CD-ROM "Eisenbahnstadt Berlin" hat Ronald Hoppe übrigens mitgearbeitet.Zum Angebot des Magazins gehören so auch diverse Homepages von Eisensbahn-Freunden aus Berlin und Brandenburg, die dort über sich selbst und wichtige Termine informieren.Genutzt wird dieses Angebot nicht nur in Berlin und Umgebung, sondern auch in den skandinavischen Ländern stößt das Thema "Eisenbahn" auf großes Interesse.

Von den Früchten der Online-Arbeit können Hoppe und Kempen zur Zeit noch nicht leben.Etwas Geld kommt über Werbung herein, so werden zumindest die laufenden Kosten zu rund einem Drittel gedeckt.Gleichwohl sind die beiden Netz-Aktivisten optimistisch, innerhalb der nächsten zwei, drei Jahre auch ihren Lebensunterhalt mit Epilog.de bestreiten zu können.Bis es soweit ist, wird Ronald Hoppe weiterhin seine Brötchen mit der grafischen Gestaltung der Kammerzeitschrit "Die Berliner Wirtschaft" sowie des IHK-Internetangebots verdienen und Bernhard Kempen seiner Tätigkeit als Übersetzer nachgehen.

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