Zeitung Heute : Fusion der Chemie-Riesen als notwendiger Befreiungsschlag gegenüber der mächtigen US-Konkurrenz

Michael Burucker

Schocktherapie. ARD. "Wie Hoechst- Manager ihren Konzern zerschlagen" lautete drastisch Günter Ederers Untertitel und damit war man wieder einmal auf die angriffslustige Polemik des Meisters der Wirtschaftsreportage gefasst. Diesmal täuschte der Titel allerdings nur Drastisches vor, denn Ederer hatte den Hoechst-Managern keineswegs die "Zerschlagung" ihres Konzerns vorzuwerfen. Im Gegenteil, er lobte die Fusion der Chemie-Riesen Hoechst und Rhône-Poulenc zum neuen Konzern "Aventis" als notwendigen Befreiungsschlag gegenüber der mächtigen US-Konkurrenz. Eine unternehmerische Großtat, die zudem kaum Arbeitsplätze gekostet habe. Ob die Belegschaft ein solches Fazit teilte, blieb dahingestellt. Dagegen wurde Ederer nicht müde, die Vorstandsvorsitzenden der beiden Konzerne und ihre Männerfreundschaft zu loben. Wer des Autors unermüdliche Feldzüge gegen die deutsche Wirtschaftsbürokratie, kennt, dem erschien dieser Jubel folgerichtig. Ederer sah einen unbeweglichen Dinosaurier zum wendigen Tiger geschrumpft. Der allerdings wird vor allem auf dem Gebiet der umstrittenen Gentechnik mithalten müssen. Da erschien Ederers Blick, der alles unter dem Primat der Konkurrenzfähigkeit wahrzunehmen pflegt, doch etwas beengt.

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