Zeitung Heute : Fußball für Neunmalkluge

Dagny Lüdemann

Weil es immer weniger Mannschaften im Amateurfußball gibt, hat DFB-Präsident Theo Zwanziger vorgeschlagen, nur noch mit neun Mann pro Team zu spielen. Was halten Trainer und Vereine von dieser Idee?


Theo Zwanzigers Vorschlag, in den unteren Fußballligen in Zukunft nur noch neun statt elf Spieler aufzustellen, stößt bei Vereinen und Trainern überwiegend auf Ablehnung. Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hatte diese Idee im Sportmagazin „Kicker“ geäußert. In den Kreisligen A und den Spielklassen darunter könnte schon ab 2008 nur noch zu neunt gespielt werden. Zwanziger will damit den Wettbewerb erhalten und dem Mannschaftssterben bei den Amateurfußballern verhindern, die älter als 18 Jahre sind. Laut Zwanziger spielen in diesen Altersklassen immer weniger Männer Fußball und die Vereine haben Probleme, ihre Mannschaften voll zu bekommen. Bei den Jugendlichen hat die WM zwar einen Run auf die Vereine ausgelöst – nicht aber bei jungen Erwachsenen.

Zustimmung findet Zwanzigers Vorschlag beim Präsidenten des Berliner Fußball-Verbandes (BFV), Bernd Schultz, – und das obwohl Berlin weniger Probleme beim Spielernachwuchs hat als ländliche Regionen: „Den Gedanken finde ich gut“, sagt Schultz, „wenn man bedenkt, dass die Mannschaften immer weniger Zulauf haben.“ Zumal Zwanzigers Idee nicht neu sei und schon jetzt werde in einigen Vereinen zu neunt Fußball gespielt. „Bei uns können die Klubs selbst entscheiden, ob sie solche Mannschaften bilden wollen – und in Berlin wird das bei den über 40- und über 50-Jährigen auch schon gemacht“, sagt Schultz. Allerdings werde dann auf einem Halbfeld gespielt.

„Im Großraum Berlin haben wir derzeit aber noch keine Probleme, die jüngeren Seniorenmannschaften voll zu bekommen“, sagt der BFV-Präsident. Und von den Jugendlichen könnten nicht einmal alle aufgenommen werden, „weil wir zu wenig Fußballplätze haben“. Wäre das anders, gäbe es künftig auch mehr Nachwuchs für die Teams älterer Jahrgänge.

Paradoxerweise ist Hartmut Gaudeck, zuständig für Amateursportler über 35 Jahre beim Fußball-Landesverband Brandenburg, weniger überzeugt von Zwanzigers Neun-SpielerPlan – obwohl Brandenburgs Fußballklubs viel stärker vom Mitgliederschwund betroffen sind als Berliner Vereine. „Wir haben ja bereits die Möglichkeit, mit reduzierter Mannschaftsstärke auf halbem Feld zu spielen, aber ich denke, dass ein Team, das keine elf Mann mehr findet, dauerhaft auch keine neun auftreiben kann“, sagt Gaudeck. Und bei den Alten Herren gäbe es ohnehin Zulauf wegen der Entwicklung der Altersstruktur.

Aus Trainersicht funktioniert Fußball zu neunt nicht – das jedenfalls meint Michael Wolf, Coach der 1. Männer-Mannschaft beim FC Lichterfelde Berlin und früherer Deutscher Meister mit der B-Jugend von Hertha BSC. „Mit neun Leuten ist es einfach kein Fußball mehr“, sagt er. Die Spieler müssten läuferisch viel mehr leisten, es würde weniger Zweikämpfe geben und am Ende würde man nur noch lange Bälle spielen – „und das ist nicht die Grundidee von Fußball“. Die Plätze zu verkleinern, sei auch keine Lösung, „denn die haben Standardmaße“.

Michael Wolf hält das Mannschaftssterben anders als BFV-Chef Schultz auch in Berlin für gravierend, sieht das Problem allerdings woanders: „Die Vereine wollen einfach nicht fusionieren, jeder möchte seinen Namen behalten und in allen Altersklassen Mannschaften haben.“ Wolf schlägt vor, kleine Vereine zusammenzulegen, „wie man es zum Beispiel in Bamberg gemacht hat“. Lieber weniger gut besetzte Teams anbieten als unbedingt in jeder Altersklasse eins – das ist seine Lösung.

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