Zeitung Heute : Fußball-WM könnte Korea-Aktien beflügeln

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Hongkong/Tokio (olm/bas/HB). Kurz vor dem Start der Fußballweltmeisterschaft in Südkorea und Japan ist dem Leitindex Kospi an der koreanischen Börse erst einmal die Luft ausgegangen. Und das trotz Infrastrukturinvestitionen etwa in brandneue Stadien, der Aussicht auf kauf- und esswütige Fans und eine Fußballeuphorie, die den Koreanern Extra-Wons aus dem Säckel locken soll. Mittlerweile notiert der Kospi bei 858 Punkten, also deutlich unter dem Jahreshoch Mitte April von 937 Punkten. Also doch kein WM-Bonus für die koreanische Börse, das Lieblingskind vieler Vermögensverwalter?

„In den Kursen sind positive Effekte durch die WM schon eingepreist“, sagt Aktienstratege Terence Lim von Goldman Sachs. Als Beispiele nennt er TV-Gerätehersteller wie Samsung Electronics oder LG Electronics, Anbieter von Digital-TV, Lebensmittelproduzenten wie Lotte Samkang und Brauereien. „Der WM-Effekt ist aber schwer zu bestimmen.“

Denn nicht nur die WM-Aussichten haben Koreas Börsenwerte in die Höhe klettern lassen. Sattes Wachstum, Fortschritte bei Strukturreformen, niedrige Bewertungen und ein Gleichgewicht zwischen Binnen- und Export-Konjunktur haben den Index innerhalb von sechs Monaten auf den doppelten Stand katapultiert. Koreanische Aktien gelten mittel- und langfristig als Erfolgsgaranten. „Korea erntet die Belohnung für die konsequentesten Reformen in Fernost“, sagt Credit-Agricole-Fondsmanager Ray Jovanovich.

Weiteres Plus ist denkbar

Er ist überzeugt, dass diese Anstrengungen eine fundamentale Höherbewertung koreanischer Aktien rechtfertigen. Für seinen Asian Renaissance Fund sucht er nach Unternehmen, die vom Strukturwandel profitieren. Bei Werten wie der Kookmin Bank oder der Supermarktkette Shinsegae hat er seinen Einsatz verdrei- bis vervierfacht. „Das ganz große Geld ist gemacht“, meint Jovanovich, „aber 50 Prozent mehr sind noch drin“.

Immer mehr Fondsmanager erliegen jedoch der Versuchung, Gewinne in Seoul mitzunehmen und an anderen asiatischen Märkten anzulegen, die im Schatten Koreas standen, etwa Hongkong oder Bangkok. In den kommenden drei Monaten könnten sich in den Nachbarländern bessere Chancen ergeben, sagt Nomura-Stratege Sean Darby. Dennoch gewichtet er Korea angesichts steigender Gewinne, robuster Nachfrage und hoher Liquidität über. Auch Pieter van Putten, Asien-Stratege der Commerzbank, findet: „Eine Korrektur von zehn Prozent war fällig, doch die fundamentale Story ist intakt.“ Die WM könnte die Nachfrage ankurbeln und dem Kospi Feuer machen, meint Lim von Goldman Sachs. „Es sollte einen Schub geben.“ Allerdings laufe die Wirtschaft mit Nachfragesteigerungen von sechs Prozent und mehr Gefahr, sich zu überhitzen.

So schwebt über dem Land das Damoklesschwert von Zinserhöhungen. Die Wirtschaft pulsiert, so dass die Zentralbank bald die Inflationsbremse ziehen dürfte. Weiteres Risiko: der Ölpreis. Zudem mehren sich Stimmen, die vor einer Kreditblase warnen. Eine dramatische Expansion der Konsumenten-Kredite befeuert zwar die Inlandsnachfrage. „Aber das Tempo des Kreditwachstums ist zu hoch“, sagt UBS-Warburgs Asien-Chefvolkswirt Arup Raha.

Merrill Lynchs Asien-Stratege Spencer White glaubt, die WM werde die Kurse im Juni stützen. Dann könnten Zinsschritte die boomende Inlandsnachfrage dämpfen, und die phänomenalen Gewinne der Konsumwerte könnten bröckeln. Auf drei bis sechs Monate sieht White trotzdem Kurspotenzial von 25 bis 30 Prozent, Lim hält 20 Prozent für möglich. Wie gut sich Koreas Kicker schlagen, dürfte keine Rolle spielen. „Es glauben ohnehin nicht viele, dass die Mannschaft weit kommt.“ Gefährlich sei indes, dass die Börse in ein Loch falle, ähnlich wie die Märkte Australiens nach der Olympiade 2000 in Sydney.

Experten setzen auf Export

Fürs Portfolio rät White zum Umschichten in Exportwerte. Ab dem Sommer werde der Konjunkturmotor auf exportgetriebenes Wachstum umschalten. Er empfiehlt Technik-, Auto-, und Chemiewerte wie Samsung, Hyundai und den Monitor-Hersteller Samsung SDI. Dagegen meint van Putten: „Bei Export-Werten und Elektronik würde ich aufpassen.“ Ob der wichtige Kunde USA schnell wieder auf die Beine kommt, ist für ihn unsicher. Er setzt auf Konsumwerte wie Einzelhändler und sieht auch in Finanzwerten Luft.

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