Zeitung Heute : Ganz schön schräg

Sukkulenten bringen Leben in die Wohnung. Im Steingarten überstehen viele sogar den Winter

Anne Barthel
Platz da, hier komme ich!
Platz da, hier komme ich!Foto: dpa-tmn

Sukkulenten und Kakteen sind die Exoten im Wohnzimmer und echte Klassiker auf der Fensterbank. „Sie rufen besonders jetzt in der kalten Jahreszeit die Urlaubsgefühle aus dem Sommer wieder hervor“, sagt der Floristmeister und Gärtner Bernd Kauffmann aus Heimsheim in Baden-Württemberg. Ihren Ursprung haben Sukkulenten in den Urwaldgebieten von Mexiko bis Brasilien, wo sie überwiegend als Aufsitzer (Epiphyten) auf Bäumen leben. Nach Angaben der Deutschen Kakteen-Gesellschaft (DKG) in Adelsdorf sind bereits mehr als 9000 Züchtungen dieser einzigartigen Kakteengruppe registriert.

Die Besonderheit dieser Pflanzen liegt in ihrem eigenwilligen Wachstum. „Die krummen und schiefen Formen beleben den Wohnraum“, so Kauffmann. Wer beispielsweise streng architektonisch geradlinig eingerichtet sei, könne eine schräg gewachsene Pflanze als „Eyecatcher“ aufstellen. Besonders in hohen Gefäßen, auf denen die Sukkulenten gleichsam thronen, sind sie ein schöner Blickfang. Einen eigenwilligen Reiz haben auch die verschiedenen Oberflächenstrukturen: ob behaart, glatt oder metallisch glänzend.

Kauffmann empfiehlt, die pflegeleichten Pflanzen alle zwei Wochen in zimmertemperaturwarmes Wasser zu tauchen. Zu kaltes Nass lässt die Blätter gelb werden und abfallen. Großer Vorteil gegenüber anderen Zimmerpflanzen: Sukkulenten können teilweise auch im Dunklen stehen, was zwar das Wachstum bremst, der Pflanze aber nicht schadet. Während man im Garten ein Drittel Blumenerde mit zwei Dritteln mineralischen Bestandteilen wie Quarzsand und Blähton mischt, genügt in der Topfbepflanzung ein Verhältnis von eins zu eins.

„Sukkulenten sind wahre Durstkünstler, deshalb sollten Kakteen im Winter sechs Monate lang gar nicht gegossen werden“, sagt der Garten- und Landschaftsarchitekt Martin Haberer aus Nürtingen. Seine Leidenschaft für diese Pflanzen, insbesondere für Hauswurze, begann vor 40 Jahren. „Ich sah sie in den Alpen und war von den vielfältigen Arten fasziniert, die so anspruchslos zwischen den Steinen wuchsen“, erzählt Haberer, der auch ein Buch über Sukkulenten geschrieben hat.

Wer sich an einem kleinen Steingarten probieren möchte, kann laut Haberer zu robusten winterharten Sukkulenten greifen. Der zwischen fünf und 15 Zentimeter hohe „Weiße Mauerpfeffer“ (Sedum album) etwa bezaubert im Juli und August mit seinen weißen Sternblüten. Im Winter erträgt er minus 25 Grad, seine ansonsten grünen Blätter färben sich dann, wie auch bei Trockenheit, rotbraun. Die rosa blühende Kaukasus-Fetthenne (Sedum spurium) eignet sich mit ihren kriechenden Trieben für dicke Polster im Beet. Die Rosetten der Dach-Hauswurz (Sempervivum tectorum) können bei nahrhaftem Boden von normalen fünf Zentimetern bis auf 20 Zentimeter Durchmesser anwachsen. Die Pflanze trägt im Sommer rosafarbene Blüten an bis zu 40 Zentimeter hohen Stängeln. Exotisch anmutend passt die ebenfalls rosettenförmige Sempervivum arachnoideum ,Alpha‘ dazu, deren braunrote Blätter silbrig übersponnen sind.

Wer sich an größere Pflanzen traut, kombiniert Sukkulenten mit Stauden. Eine Harriman Yucca (Yucca harrimaniae) aus der Gattung der Palmlilien beispielsweise ist frosthart bis ungefähr minus 18 Grad und kann mit ihrem Blütenstand bis zu einem Meter über die eigenen Blätter hinausragen. Die glockenförmigen cremefarbenen Blüten ziehen von April bis Juli die Blicke auf sich. Das dornenreiche, strauchig wachsene Kakteengewächs Opuntia polyacantha ,Wibke‘ bildet mit einer Wuchshöhe von 15 Zentimetern und den himbeerroten Blüten einen schönen Kontrast. Die Opuntien tragen im Herbst meist farbige Früchte, die teilweise essbar als Kaktusfeigen in Supermärkten angeboten werden. Als weitere Begleitpflanzen eignen sich in Steingärten und Wüstenbeeten niedrige Stauden wie nadelblättriger Bartfaden (Penstemon pinifolius), Euphorbien und Kräuter wie Salbei, Thymian und Origanum.

Wichtig ist, dass Niederschlag rasch versickert und keine Staunässe entsteht, rät Haberer. Im Frühjahr darf der Boden aber auch nicht zu stark austrocknen und sollte deshalb einmal wöchentlich gut gegossen werden. Ab Ende Juni kann das Gießen eingestellt werden, da die Neutriebe genügend ausgereift sind, um im Folgejahr viele Knospen anzusetzen. Düngen sollte man bereits im März.dpa

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