Zeitung Heute : Ganz sicher weniger

Wer jetzt Rentner wird, hat nach Berechnungen der Deutschen Rentenversicherung drastisch weniger Geld im Portemonnaie als Ruheständler früherer Jahre. Womit hängt das zusammen?

Fabian Leber

Die umstrittene Rente mit 67 wirkt sich noch gar nicht aus, doch Neurentner bekommen schon jetzt die Folgen der Reformen der Jahre 2001 und 2004 zu spüren. Wer im vergangenen Jahr in Rente ging, erhielt im Vergleich zum Jahr 2000 bis zu 14,5 Prozent weniger Geld. Das geht aus Berechnungen der Deutschen Rentenversicherung hervor. Ein männlicher Rentner, der im vergangenen Jahr in den Ruhestand ging, bekam im Schnitt eine Nettorente von 790 Euro im Westen und 836 Euro im Osten. Sechs Jahre zuvor hätte er noch durchschnittlich 883 Euro in Ost und West bekommen. Das entspricht einem Minus von 10,5 Prozent im Westen und 5,3 Prozent im Osten.

Noch drastischer fiel der Rückgang nach diesen Berechnungen bei Erwerbsminderungsrenten aus. Wer 2006 erstmals eine solche Rente bezog, erhielt im Schnitt 667 Euro (Ost: 601 Euro). Im Jahr 2000 hingegen wurden 780 Euro im Westen und 687 Euro im Osten gezahlt.

Bei Frauen fallen die reformbedingten Kürzungen nicht ganz so stark ins Gewicht: Wegen stärkerer Berufstätigkeit und einer besseren Anrechnung der Kindererziehungszeiten steigen ihre Ansprüche insgesamt noch. Trotzdem ist nach den Zahlen auch die durchschnittliche Frauenrente von 461 Euro auf 434 Euro im Westen und 679 Euro auf 660 Euro im Osten gesunken. Bei den Erwerbsminderungsrenten lag der Rückgang bei 4,5 beziehungsweise 6,3 Prozent.

Die Zahlen der Deutschen Rentenversicherung zeigen auch, dass die Deutschen immer später aus der Berufstätigkeit ausscheiden – Grund sind auch hier die Rentenreformen. Im Jahr 2006 gingen Frauen im Durchschnitt mit 63,2 und Männer mit 63,3 Jahren in Altersrente. Damit nahmen Männer ihre Altersrente rund 1,2 Jahre und Frauen rund 0,8 Jahre später in Anspruch.

Obwohl die Deutschen also immer später in Rente gehen, müssen sie vermehrt mit Abschlägen rechnen. Das hängt mit der 2001 eingeführten Regel zusammen, dass die Zahlungen bei einem früheren Rentenbeginn gekürzt werden – und zwar um jeweils 0,3 Prozent pro Monat Frührente. Hinzu kommt, dass die Abschläge nicht von der maximal erreichbaren Rente mit 65 Jahren abgezogen werden, sondern vom gerade aktuell erreichten Wert – also zum Beispiel mit 63 Jahren.

Auf diesen Mechanismus macht auch Dirk von der Heide, Sprecher der Deutschen Rentenversicherung, aufmerksam: „Im vergangenen Jahr sind 50 Prozent der Renten mit Abschlägen belegt gewesen.“ Außerdem sei an die Senioren weniger ausgezahlt worden, weil die Krankenkassen- und Pflegebeiträge gestiegen seien. „Es gibt auch immer mehr Brüche in der Erwerbsbiografie“, sagt von der Heide. Die hohe Arbeitslosigkeit führe auch dazu, dass viele Menschen nicht mehr ununterbrochen eingezahlt hätten.

Ein Sprecher des Bundessozialministeriums sagte dazu , die Maßnahmen zur Stabilisierung des Rentensystems hätten begonnen zu wirken. Er verwies auf die Erhöhung des Eintrittsalters auf 65 und die Einführung von Abschlägen bei einem früheren Rentenbeginn. Allerdings gälten auch weiterhin die Vereinbarungen zur Sicherung des Nettorentenniveaus. Laut Beschluss der Bundesregierung darf es bis 2020 nicht unter 46 Prozent und bis 2030 nicht unter 43 Prozent des Bruttolohns vor Steuern sinken.

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