Gartenzimmer : Grüne Räume für Träume

Geheimnisvolle Traumwelt: Die "Gartenzimmer" laden mit poetischen Installationen zum Innehalten und zur Kontemplation ein.

Manuela Marin
Gartenzimmer
Handelt es sich nun um Gärten oder um Zimmer? -Foto: Claus-Dieter Steyer

Die so genannten Gartenzimmer im Neuen Parkteil der Landesgartenschau sollen die Besucher in eine geheimnisvolle Traumwelt entführen. Die siebzehn jeweils 900m² großen quadratischen Themengärten handeln von den alltäglichen Wünschen und Gefühlen der Prinzessin Louise Henriette von Oranien-Nassau, der späteren Kurfürstin von Brandenburg (1627 - 1667). Ihre Gedanken und Träume von Liebe, Hoffnung, Zukunft, Lust, Einsamkeit und anderen Sujets haben aber auch für den modernen Menschen nichts von ihrer Aktualität eingebüßt.

"Die Traumlandschaften der Kurfürstin gilt es für sich selbst zu entdecken", erklärt der Projektleiter der LaGa Michael Steinland. "Wir machen mit unseren Gartenzimmern Angebote und bieten den Raum, um Themen wie Familie, Herkunft oder Luxus nachzuspüren, aber wir belehren nicht." Der Besucher sollte laut Steinland unvoreingenommen sein und Zeit zum Träumen mitbringen.

Dieser Idee folgt die Beschilderung der Gartenzimmer. "Zitate des Sängers, Schriftstellers und Komponisten Herman van Veen übersetzen die Gartenthemen in zeitgenössische Lyrik", erläutert Steinland. Der Garten Tempora etwa beginnt mit dem Vers: "Wenn man älter wird, fliegt die Zeit nicht mehr. Sie rast. Und ich rase zufrieden mit." So wird der Besucher vorbereitet auf den Traum von Zeit, Rhythmus und ewigem Kreislauf der Natur und des Lebens. Die gärtnerische Gestaltung arbeitet mit Schnittblumen der vier Jahreszeiten in Kombination mit Feldfrüchten. Im Zentrum des Gartenzimmers steht ein Pavillon aus Kuchenbaum, dessen Blätter im Herbst ihren Lebkuchenduft entfalten.

Die Bezeichnung "Gartenzimmer" soll zum Nachdenken einladen - handelt es sich nun um Gärten oder um Zimmer? Steinland betont den Gartenaspekt, denn es gibt weitläufige Übergänge und Wasserläufe zwischen den Gartenzimmern und schließlich fehlen Dächer und oft auch Wände in Form von Hecken oder Mauern. Die Assoziation mit Zimmern entsteht jedoch durch Skulpturen und andere Objekte, die wie Einrichtungsgagenstände wirken. Im Gartenzimmer Traum findet man z. B. ein übergroßes Bett in Blau und Orange, das von einem Dach aus Apfelbäumen überspannt wird. Ein Kunstwerk aus goldenen Kugeln ziert den grünen Raum "Freude".

Zentrales Element für die Ausgestaltung der Traumthemen sind die Auswahl und Anordnung der Pflanzen. Das Gartenzimmer "Glaube" wird von einer hohen Hainbuchenhecke umgeben; eine von Kletterpflanzen bewachsene Pergola versetzt den Betrachter in den Kreuzgang eines Klosters. Zuversicht vermittelt in dem gleichnamigen Themengarten der zentral gepflanzte Apfelbaum, der von einer runden Holzbank eingefasst ist. Der Einsatz von Wasser unterstreicht das Traumbild "Familie". Dargestellt wird die kurfürstliche Familie durch sieben transparente Figuren in einem Teichgarten. Die Familienmitglieder drehen sich im Wind und spiegeln sich engelsgleich im Wasser. Im Gartenzimmer "Lust" findet der Besucher ein großes Wasserbecken, dessen Ecken mit großen weißen Fischen verziert sind.

Während erwachsene Besucher die Zeit in Louise Henriettes Traumlandschaften vergessen, können Kinder im Gartenzimmer "Hoffnung" Nutzpflanzen, Blumen und Kräuter kennen lernen. Das grüne Klassenzimmer umfasst auch einen "Eine-Welt-Garten", in dem Pflanzen die Erdteile symbolisieren. So stehen ein Eukalyptus zum Beispiel für Australien, ein Bambus für Asien und eine Protea für Afrika.

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