Zeitung Heute : Gary kämpft gegen Goliath

CHRIS ALLBRITTON ((AP))

In den USA will ein Anwalt die Macht von Bill Gates brechenVON CHRIS ALLBRITTON ((AP))Er steht hinter dem gewaltigen Kampf zwischen Microsoft und dem amerikanischen Justizministerium über den freien Wettbewerb auf dem Software-Markt: Gary Reback macht Bill Gates das Leben schwer.Der Anwalt hat es sich zum Ziel gesetzt, Microsoft zu stoppen, weil der Software-Konzern in Redmond bei Seattle nach seiner Meinung neue Entwicklungen behindert.Der 49jährige Jurist von der Kanzlei Wilson Sonsini Goodrich & Rosati im kalifornischen Palo Alto vertritt Netscape und andere Konkurrenten von Microsoft. Früher habe die Kraft der Ideen über unternehmerischen Erfolg in der Computerbranche entschieden, sagt Reback."Heutzutage sucht Microsoft den Gewinner aus.Microsoft entscheidet frühzeitig, wen sie kaufen wollen, und alle anderen Unternehmen gehen leer aus." Rebacks Aufgabe ist groß, sie bemißt sich an der Wirtschaftskraft von Microsoft, das seinen letzten Quartalsgewinn um 34 Prozent auf 3,59 Milliarden Dollar gesteigert hat. Der Anwalt bestreitet, daß er das Verfahren gegen Microsoft als persönliche Fehde betrachte.Microsoft habe die Kette der Innovationen gebrochen, indem es neue Märkte für sich abgesteckt und mit seiner Marktmacht mögliche Geldgeber für neue Firmen und Technologien verschreckt habe."Wir sehen uns einem Monopol gegenüber, das in der Geschichte der Welt keine Parallele hat." Gates gehe es nicht mehr um Geld, sondern nur noch um Macht - "die Macht, das Leben der Leute zu beeinflussen, und - wie ich sagen würde - unter Kontrolle zu bringen". Der Netscape-Anwalt gehe seine Sache mit unglaublicher Antriebskraft an, sagt der jetzige Intel-Justitiar Peter Detkin, der in einem früheren Verfahren mit Reback zusammengearbeitet hat.Als Reback vor die Geschworenen getreten sei, habe er zur Bekräftigung seiner Argumente zwei Schautafeln geschultert - so wie einst Moses die Zehn Gebote auf dem Berg Sinai. Wie kommt ein Anwalt dazu, mit einer derartigen Leidenschaft gegen eine der größten Erfolgsgeschichten der amerikanischen Wirtschaft anzugehen? Reback wuchs in Tennessee auf, wo sein Vater für die Atomenergiekommission im Labor von Oak Ridge tätig war.An der Universität Yale wurde er Programmierer, studierte danach Recht in Stanford, wo er 1974 als Anwalt im Staat Kalifornien zugelassen wurde.Danach ging er zunächst wieder in den Süden und arbeitete in einer Kanzlei in Atlanta, bevor er das Silicon Valley als seine neue Wirkungsstätte entdeckte.Sein ehemaliger Chef in der Kanzlei Fenwick & West, Bill Fenwick, beschreibt Reback als eine sehr komplexe und rätselhafte Persönlichkeit."Er hat ein großes Ausmaß an Intoleranz bei allem, was nicht in die von ihm gewünschte Richtung geht", sagt Fenwick.Microsoft will zu seinem Gegenspieler nichts sagen - Firmensprecher Mark Murray erklärt: "Wir geben über Herrn Reback oder seine Aktivitäten keinen Kommentar ab."

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar