Zeitung Heute : Gaststätte für 1,9 Millionen Mark an Gastronomen

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Nach über einem Jahr Verhandlungen steht der Bezirk vor dem Verkauf der Traditionsgaststätte "Alter Krug Dahlem" in der Königin-Luise-Straße. Laut Finanzstadtrat Klaus-Peter Laschinsky (SPD) geht der 130 Jahre alte ehemalige Dorfgasthof für 1,9 Millionen Mark an einen Berliner Gastronomen. Gescheitert ist hingegen der Versuch, die "Alte Fischerhütte" am Schlachtensee vor Ablauf des Vertrages mit dem alten Pächter im Jahre 2002 zu veräußern. Die Ablöseforderungen des Pächters sind laut Laschinsky zu hoch.

Der Bezirk bemüht sich innerhalb der Immobilienverkäufe des Landes seine Traditionsgaststätten zu veräußern (wir berichteten). So wurde als erstes der aus dem Jahre 1800 stammende "Fürstenhof" an eine Steakhauskette verkauft. Jetzt steht laut Dezernent Laschinsky auch der Verkauf des "Alten Krugs" in Dahlem kurz bevor. "Wir hoffen, im Januar den Vertrag zu unterschreiben", berichtet der Sozialdemokrat. Der Käufer wird laut Laschinsky in dem denkmalgeschützten Haus wieder gutbürgerliche Küche anbieten. Die Länge der Verkaufsverhandlungen von über einem Jahr erklärte Laschinsky mit Schwierigkeiten mit dem Landesrechnungshof. Der habe sich gegen das durchgeführte Bieterverfahren ausgesprochen. "Das hat uns zeitlich zurückgeworfen." Die Verzögerung hat den Kaufpreis von knapp über zwei Millionen Mark auf die besagten 1,9 Millionen Mark gedrückt.

Während der Verkauf des Dorfkrugs fast perfekt ist, bleibt die Zukunft des Ausflugslokals "Alte Fischerhütte" ungeklärt. Hier hat der Bezirk seine Verkaufsbemühungen abgebrochen, da der aktuelle Pächter laut Laschinsky für den vorzeitigen Ausstieg aus seinem bis 2002 laufenden Vertrag eine Million Mark Ablöse fordert. Daran seien die Verhandlungen gescheitert. Bis 2002 will der Bezirk keinen neuen Versuch zur Veräußerung unternehmen.

An der festgefahrenen Situation um das heruntergekommene Ausflugslokal, das dem Bezirk trotz seiner exponierten Lage nur 1800 Mark Pacht im Monat einbringt, ist Zehlendorf selbst nicht unschuldig. Der Bezirk hat es unterlassen, die mit dem Pächter vertraglich vereinbarten Sanierungsmaßnahmen zu prüfen. "Es ist versäumt worden, das Haus zu begehen", räumt Laschinsky ein. Das Versäumnis fällt nach seiner Aussage in die Amtszeit seines Vorgängers Herbert Wilkens (Wählergemeinschaft unabhängiger Bürger, WUB). Hätte der Bezirk den Pächtern eine Vertragsverletzung nachgewiesen - was bei dem sanierungsbedürftigen Zustand des Gebäudes nicht schwer sein dürfte - wäre eine Kündigung des Pachtvertrages und der anschließende Verkauf der Immobilie möglich gewesen.

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