Geburtstag des Kings : Glückwunsch, Elvis, und immer noch munter

von
Helmut Schümann HP mit Kontur

Er ist jetzt in New South Wales in Australien, Central West, im kleinen Örtchen Parkes. Zumindest war er zu Jahresbeginn dort. Hat sich ein paar Bier gezischt, die Straße überquert und eine Partie Poolbillard gespielt. Er lässt es krachen. Besser ist es, viel besser, als heute zum Beispiel, Deutschland zu besuchen. Da fällt bald der große Schnee, und der Arbeiter-Samariter-Bund hat älteren Menschen geraten, vorab Hamsterkäufe zu tätigen, damit sie nicht zum Einkaufen auf die Straße müssen. Er ist schon ein älterer Herr, 75 Jahre alt wird er heute, und da wäre es doch zu dumm, wenn er hier beim Überqueren der Straße ausrutscht, sich den Oberschenkelhals bricht, womöglich noch zugeschüttet wird von den zu erwartenden biblischen Schneemassen und dann später überall in der Welt zu lesen ist, dass Elvis Presley, kaum dass er seinen Ehrentag gefeiert hat, in den prophezeiten vom Himmel herabfallenden Lawinen noch nicht gesehenem Ausmaßes mit gebrochenem Oberschenkelhals erfroren ist. 32 Jahre unerkannt gelebt, zumindest nur sehr selten erkannt, dann das, das ist eines Kings nicht würdig.

75 Jahre, congratulations, da kommt was zusammen, da kommt man rum in der Welt. Elvis war zum Beispiel in Nevada, hat da am Blackjacktisch gesessen, 20 Jahre nachdem er eine Wachspuppe statt seiner in den Sarg gelegt hat, um dem Ansturm der Fans Herr zu werden. Oder so ähnlich. Elvis war auch bei der ersten Mondlandung dabei, bitte, es gibt im Internet Fotos davon. Dass diese Landung zehn Jahre vor der Sache mit der Wachspuppe stattfand, ist für einen König, der entmaterialisiert unter uns weilt und sich nur ab und an materialisiert, etwa, wenn er ein Bier Downunder schlabbert, oder ein Sandwich in London kauft, oder mit Kurt Cobain und Jim Morrisson an einer Strandbar in der Karibik Cocktails trinkt, oder, wenn er mit dem amerikanischen Psychiater Donald Hinton telefoniert, das machen sie einmal die Woche, sagt Hinton, also, wer das alles kann und auch mal kurz in Norwegen vorbeischaut und sich im Sultanat Oman umschaut und sehen lässt, der kann auch schon mal an einem Event teilgenommen haben, dass noch gar nicht stattgefunden hat, oder an einem, dass schon stattgefunden hat, als er nicht mehr war, weil seine Beerdigung, damals im August 1977 in Memphis nicht seine war, sondern nur eine Fälschung. Elvis lebt. Wenn er heute oder morgen doch noch überraschend nach Deutschland kommt, hoffentlich klappt dann die Schneeräumung.Helmut Schümann

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