Zeitung Heute : Gegen das Vergessen

DR. WEWETZER

Hartmut Wewetzer

DR. WEWETZER

Lässt sich die Alzheimer-Krankheit behandeln? Die Antwort des Nationalen Instituts für neurologische Krankheiten und Schlaganfall in den USA fällt knapp aus: „Es gibt keine Heilung und keinen Weg, das Fortschreiten der Krankheit aufzuhalten.“ Punkt.

Das klingt ernüchternd. Aber immerhin gibt es inzwischen Arzneien, mit denen man einige Krankheitszeichen abmildern oder deren Verschlechterung hinausschieben kann. Wenn man sich die Probleme der Kranken vor Augen hält, ist das kein geringer Fortschritt: Wer Alzheimer hat, leidet schließlich unter Symptomen wie Gedächtnisverlust, Sprachzerfall, Verlust des Urteilsvermögens, Verwirrung, Stimmungsschwankungen, Angst und Depression.

Amerikanische Wissenschaftler haben nun gezeigt, dass sich mit einer Kombination zweier Medikamente die Behandlungsergebnisse bei Kranken mit mittelschwerem bis schwerem Alzheimer verbessern lassen. Die Ärzte setzten bei Patienten, die das Alzheimer-Mittel Donezepil bereits bekamen, zusätzlich eine zweite neue Arznei namens Memantine ein. Donezepil (als „Aricept“ im Handel) hemmt den Abbau des Botenstoffs Acetylcholin im Gehirn. Denn Alzheimer-Kranken mangelt es an Acetylcholin. Memantine (vermarktet als „Axura“), das zweite Medikament, reguliert einen anderen Botenstoff des Gehirns, das Glutamat. Diese Aminosäure ist für Lern- und Gedächtnisvorgänge wichtig. Bei der Alzheimer-Krankheit ist jedoch zu viel Glutamat im Spiel, so dass die Nerven Schaden nehmen. Memantine dagegen bremst das Glutamat aus. Zumindest ein wenig.

Pierre Tariot von der Universität von Rochester und sein Team zeichneten ein Jahr lang auf, wie sich die Behandlung mit dem Arznei-Tandem Donezepil und Memantine auf die Kranken auswirkte. Das Ergebnis: „Auf die geistigen Fähigkeiten, Alltagsaktivitäten, Verhalten und den gesundheitlichen Allgemeinzustand wirkte sich Memantine deutlich günstiger als ein Scheinmedikament (Placebo) aus“, schreiben die Ärzte im Fachblatt „Jama“.

Noch ist nicht klar, auf welche Weise die beiden Mittel zusammenwirken. Aber dass Memantine das Leiden abschwächt, ist, um mit dem Studienleiter Pierre Tariot zu sprechen, „sicher eine gute Neuigkeit“.

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