Zeitung Heute : Geheimnisumwittert

ALBRECHT D†MLING

Marcus Stenz mit Kim Kashkashian und dem Orchester der DOBMarkus Stenz hatte dem Orchester der Deutschen Oper in der Tat ein ungewšhnliches, zum Mitdenken aufforderndes Programm vorgeschlagen.Sieben Jahre nach seinem Durchbruch mit der Henze-UrauffŸhrung "Das verratene Meer" kehrte der mittlerweile international anerkannte Dirigent mit drei geheimnisumwitterten Werken von Rachmaninow, Bart—k und Schumann zu diesem Klangkšrper zurŸck.Alle drei Werke setzen sich mit dem Tod auseinander, der in ihnen auf unterschiedliche Weise Klang wird. Sergej Rachmaninows Gesamtwerk ist in seinem elegischen Grundton von einem frŸhen Nervenzusammenbruch geprŠgt.1909 schuf er die kaum bekannte sinfonische Dichtung "Die Toteninsel", die das Bšcklin-GemŠlde viel dŸsterer interpretiert als vier Jahre spŠter die Bšcklin-Suite Max Regers.WŠhrend diese mit Erlšsungsgedanken endete, mŸndet der Russe in fahle dies irae-Zitate.Nach der langen Moll-Introduktion, der Stenz durch DrŠngen und Verzšgern Konturen gab, entwickelte der Mittelteil Ÿberraschend visionŠre Leuchtkraft.Das Orchester der Deutschen Oper kostete diese stark von Wagner geprŠgte Klangsinnlichkeit voll und wirkungsmŠchtig aus, ohne allerdings klŠren zu kšnnen, warum die Ÿbliche Abfolge von Tod und VerklŠrung vertauscht wurde. Robert Schumann schrieb seine 2.Symphonie in C-Dur als kathartische Reinigung wŠhrend einer depressiven Periode, aus der er sich erst im letzten Satz befreite.Trotz seiner wachen, stets prŠsenten Schlagtechnik gelang Stenz hier kaum mehr als eine BestŠtigung der gŠngigen Von-Nacht-zum-Licht-Dramaturgie.Auch das Orchester zeigte sich mit klappernden BlechblŠser-EinsŠtzen, grob meckernden Klarinettenpartien und heiklen Streichpassagen nicht im Zenit seiner Mšglichkeiten.Das sehr stŸrmisch genommene Finale war in sich immerhin stimmig. Dazwischen hatte Kim Kashkashian bewiesen, wie eine Ÿberragende Interpretation auch ein problematisches Werk voll rehabilitieren kann.BŽla Bart—k hatte seine letzte Komposition, das Konzert fŸr Viola und Orchester, nicht mehr vollenden kšnnen.Die Meisterbratscherin verwandelte nun mit sicherem Strich und herrlich tragendem Ton alle Vagheiten der Tibor Serly-Fassung in ein So-und-nicht-anders.Den Klageton des Beginns griff sie im Adagio religioso kongenial auf und fŸhrte ihn vor KlangwŠnden, die wie aus dem Nichts herauswuchsen, mit den Vogelrufen der HolzblŠser zusammen.Bravouršs realisierte sie auch den ungarischen Charakter des Tanz-Finales und eroberte damit die Herzen des Schauspielhaus-Publikums im Sturm.ALBRECHT D†MLING

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