Zeitung Heute : „Geld spielt keine Rolle“

31.05.2011 16:01 UhrVon Tong-Jin Smith
Fünf Kontinente – ein Lächeln. Die bisher 13 United World Colleges auf fünf Kontinenten erziehen ihre Schüler zu Verständigung, Toleranz und sozialer Verantwortung. Foto: Promo UWC
Fünf Kontinente – ein Lächeln. Die bisher 13 United World Colleges auf fünf Kontinenten erziehen ihre Schüler zu Verständigung, Toleranz und sozialer Verantwortung. Foto: Promo UWC

Globales Lernen für die globalisierte Welt: 2014 startet in Freiburg das erste United World College in Deutschland

Seit fast 50 Jahren gibt es die United World Colleges, kurz UWC. Das erste dieser internationalen Oberstufeninternate eröffnete 1962 an der rauen walisischen Küste zunächst nur für Jungen. Später kamen Mädchen dazu, ebenso wie das Internationale Baccalaureate (IB) als Schulabschluss. Heute gibt es weltweit 13 dieser Colleges, die sich der Idee des deutschen Reformpädagogen Kurt Hahn verschrieben haben, Jugendlichen aus aller Welt eine global ausgerichtete Bildung zu ermöglichen, die auf Eigeninitiative und sozialer Kompetenz fußt. 2014 soll nun das 14. UWC in einem alten Kloster in Freiburg starten, das erste in Deutschland.

Mit Unterstützung der Robert Bosch Stiftung – Bosch und Hahn waren Weggefährten – wird ab Herbst diesen Jahres die Freiburger Kartaus, das zuletzt ein Altenheim beherbergt hat, zum Oberstufenkolleg umgebaut.

„Das ist für uns eine wunderbare Immobilie“, sagt Kathrin Blaufuss, Projektleiterin für das UWC Freiburg. Geplant ist, dass künftig im denkmalgeschützten Kloster und einem noch zu errichtenden Neubau 50 Schüler aus Deutschland und 150 internationale Schüler, die von ihren jeweiligen UWC-Nationalkomitees ausgewählt werden, gemeinsam für jeweils zwei Jahre unter einem Dach leben und lernen. Dabei wird die Ausrichtung der Schule auf Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen für die Jugendlichen nicht nur im Unterricht, sondern auch im Alltag unmittelbar erfahrbar sein. „Im Klostergarten kann die Artenvielfalt thematisiert werden oder energieeffiziente Technik in den Schulgebäuden“, so Blaufuss. Mit dem internationalen Umfeld und der Internatserfahrung als Katalysatoren für die persönliche Entwicklung, sowie dem begehrten IB, wird die „grüne“ Schule in Freiburg eine Bereicherung für die Bildungslandschaft. Kurt Hahn würde sich freuen.

Dabei ist es für die Aufnahme im UWC-Programm, egal ob für Mostar, Hongkong oder das südafrikanische Swaziland, nicht entscheidend, wie zahlungskräftig das Elternhaus ist, sondern ob man für das zweijährige Oberstufenstipendium geeignet ist. „Geld spielt bei der Bewerbung keine Rolle. Wer ausgewählt wird, geht“, sagt Daniel Mittler, Vorstandsmitglied der Deutschen Stiftung UWC. „Unsere Auswahlkriterien orientieren sich auch nicht nur an akademischen Fähigkeiten, sondern am ganzen Menschen. Wir suchen junge Menschen, die etwas bewegen wollen oder das im Rahmen ihrer Möglichkeiten bereits tun und so einerseits von der UWC-Erfahrung profitieren, andererseits auch etwas dazu beitragen können.“

Von den jährlich 3000 ausgewählten Kindern kommen seit gut 40 Jahren rund 20 aus Deutschland. In den letzten beiden Jahren waren es trotz Wirtschaftskrise sogar 26, so Mittler. „Aber mindestens besetzen wir pro Jahrgang 20 Plätze. Dafür haben wir auch immer die Mittel, um im Fall der Fälle die Stipendien zu finanzieren.“ Und weil das Auswahlverfahren so aufwändig ist und eine Menge Eigeninitiative fordert, habe es in all den Jahrzehnten kaum Abbrecher gegeben. Denn das UWC-IB geht weit über ein internationales Abitur hinaus. Es ist vielmehr ein Bildungsprogramm mit einem klaren politischen Ziel: internationale Verständigung und soziale Verantwortung.

Neben einem anspruchsvollen akademischen Programm in Englisch, legen die Internate großen Wert auf soziales Engagement und den Dienst an der Gemeinschaft. Obendrein ist jede dieser Schulen in seinem regionalen Umfeld fest eingebunden. Beispielsweise hat das UWC in Norwegen Schwerpunkte in den Bereichen humanitäre Hilfe, Gesundheit und Menschenrechte. Dagegen steht das Lester B. Pearson UWC in Kanada in der Tradition seines Namengebers und verantwortet ein eigenes Naturschutzgebiet.

„Man lebt in der Regel im 4er-Zimmer und jeder stammt von einem anderen Kontinent“, erzählt Mittler, selbst UWC-Alumni. Der Alltag in einer internationalen Gemeinschaft mit rund 200 Mitschülern zwischen 16 und 18 Jahren biete reichlich Herausforderung, egal ob in Bezug auf Politik, Religion oder Kultur – das sei gerade das Tolle. Auch das IB-Programm verlangt viel von den Kindern. „Man lernt die Welt mit anderen Augen zu sehen und hinterfragt Dinge“, so Mittler. Im Anschluss studieren viele der Absolventen weltweit an den besten Hochschulen. „Das ist zwar nicht unser Hauptziel, aber ein erfreulicher Nebeneffekt“, meint Daniel Mittler. „Auch im Berufsleben wird ihre Erfahrung sehr positiv bewertet. UWC-Alumni ergreifen ganz unterschiedliche Berufe, aber überproportional viele kann man als Aktivposten in der Gesellschaft bezeichnen.“

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